Der Balken

September 29th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

„Das Schicksal?“ Don Fernando wendet sich um. Er ist bleich, klebrige graue Haarsträhnen fallen ihm auf die Nase. Erschöpft sieht der Lyriker aus, denkt Vargas. „Von welchem Schicksal sprechen Sie, Señor?“
Bandenkriege, gesteinigte Bürgermeister, Leichen, die von Autobahnen herabhängen. Die Drogenbanden haben Mexiko im Würgegriff. Vargas will nur noch raus aus diesem Land, aus dieser Hölle. Er ist kein Held, und er will keiner sein. Schon gar nicht will er ein Märtyrer werden. Er hat noch Leben in sich, denkt er, noch gibt es Frauen, Weine, Möglichkeiten.
Don Fernandos dicke Finger krampfen sich um das Gewehr. Die Banditos verfügen über Kalaschnikows, und dieser Wahnsinnige will ihnen mit einer altmodischen Schrotflinte entgegentreten!
„Ich spreche von dem Schicksal, dem man sich beugen sollte“, sagt Vargas sanft.
„Das einzige Schicksal, das ich akzeptiere“, raunzt Don Fernando, „sind die Stimmen meiner Kritiker!“
„Meinetwegen.“ Vargas bemüht sich um eine coole Pose. „Aber sagen Sie hinterher, wenn man SIE steinigt, nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.“
„Helfen Sie mir mit diesem Balken“, gibt Don Fernando zur Antwort.

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