Lessing
September 15th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
„Starb vereinsamt“, steht bei Wikipedia über Gotthold Ephraim Lessings Ende.
Das fasst einem ans Herz.
Ausgerechnet er, der vielleicht menschenfreundlichste, bei aller Belesenheit zugänglichste, mit seiner Bildung nicht protzende, eher ihr trotzende Aufklärer! Starb einsam. Wahrscheinlich in seiner Bibliothek in Wolfenbüttel, denkt man.
„Vereinsamt“ ist ein kaltes Wort. Manche haben es ja verdient, vereinsamt zu sein, andere haben in ihre Einsamkeit viel investiert. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Francisbaconesk
September 14th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Die Bemerkung, er fresse Mitarbeiter, verstand und gebrauchte man natürlich metaphorisch. Niemand verband damit eine buchstäbliche Vorstellung, so wie auch kein Mensch auf den Gedanken kommt, jemand, von dem man sagt, mit ihm sei „nicht gut Kirschen essen“, zeige beim Obstessen ungebührliches Verhalten, reiße die Früchte an sich, spucke Kerne etc. Das sind Redewendungen. Auch Cornelia Z., die sich bisher viel auf ihre Unerschrockenheit und ihr reißfestes Nervenkostüm zugute gehalten und deswegen die Herausforderung, als Chefsekretärin für Kai D. zu arbeiten, mit glühendem Eifer angenommen hatte, war in keiner Weise auf den Anblick vorbereitet, der sich ihr am 11. September bot, als sie die Tür zum Zimmer ihres Chefs öffnete. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Koblenzische Dramaturgie
September 13th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
„Man träumt so viele Träume“, sagt der Intendant, und Robert-Louis von Kraßkow zuckt zusammen, „und wenn man dann im Zuschauerraum sitzt und sich anschaut, was die Künstler da wieder angerichtet haben, da oben auf der Bühne – das ist oft ganz schön ernüchternd, kann ich Ihnen sagen. Man trägt, als berufsmäßiger Idealist, ja Maßstäbe in sich wie Lessings HAMBURGISCHE DRAMATURGIE, und was einem dann geboten wird“, der Intendant wirft den Kopf in den Nacken und lacht meckernd, „das wäre im Rotlichtviertel eigentlich auch nicht viel fehler am Platz als auf unserer Bühne!“ « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Ganz hinten in der Totschlägerreihe
September 12th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Hatte er gedacht, er müsste keinen Preis dafür zahlen, so hatte er sich geirrt.
Der billige Begriff, der sich in seiner Umgebung verbreitet hatte, seine Person betreffend, er sei „ein glücklicher Mann“, schützte ihn nicht. Frau, Kinder, Haus, Arbeitsplatz, Dienstwagen, all das erwies sich im entscheidenden Augenblick als illusorisch angesichts einer Gefahr, die von innen wuchs. Er mochte sich gegen die Einflüsse der äußeren Welt abgedichtet haben, ihnen auf der Autobahn davon jagen, die Alarmanlage dagegen programmieren. Wehrlos war er, wo er mit seinen Ahnen allein war, in den stillen, tiefen Stunden. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Mit Göring im Sessel
September 10th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Auf diesem Foto trage ich einen Schal. Auf diesem … ach, das ist irgendwo in Venedig, nicht so wichtig. Auf diesem hier sitze ich in einem Sessel – übrigens in demselben, in dem Göring gesessen hat, als das Unternehmen Barbarossa losging. Kannst du dir das vorstellen? Hermann Göring? Er saß in diesem Sessel, als das Telefon klingelte und der Führer höchstpersönlich ihn darüber unterrichtete, dass er seine Panzer in Richtung Ural auf den Weg gebracht habe. Unglaublich, wenn man darüber nachdenkt. Weltgeschichte in Aktion, oder? Ich hab das Telefon mit eigenen Augen gesehen! Übrigens eine skurrile Type, der Göring, sehr … pittoresk. Wusstest du, dass er morphiumsüchtig war, weil man ihm beim Marsch auf die Feldherrnhalle in die Eier geschossen hat? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Profipack
September 10th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Von etwas muss man ja leben.
Warum also nicht von Schauspielerei?
Schon als Kind bin ich dermaßen verbogen und verdorben worden, dass ich alles sagen konnte. Schiller, Goethe, Kleist. Kam mir alles im natürlichsten Ton über die Lippen. Natürlich auch Brasch und Goetz.
Alles kein Problem.
Nur die Wahrheit, die konnte ich nicht sagen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Das Kreuz mit den Haken
September 9th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Also pass auf. Nichts dagegen zu sagen, dass einer mein Plakat genial findet. Aber dieser Bob, der Konzeptioner ließ sich mit einem Laut in seine Sitzecke rutschen, als hätte er mit dem Zeigefinger etwas zu heftig den gezackten Rand eines aufgeschnittenen Dosendeckels abgetastet, dieser Bob hat doch tatsächlich geschlagene zwei Stunden über mein „Wehret den Anfängen“-Plakat doziert. Ich meine, alles halb so wild. Man ist ja einiges gewöhnt. Die irrsten Theorien hat er da ausgebreitet, dass ja für einen Nazi wirklich ein Steinboden die wirkungsvollste Waffe sei, da dieser immerhin so stumpf sei wie er selbst. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
A tree is best measured when it’s down
September 9th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
War es das? Konnte er jetzt zufrieden sein?
Er schaute noch einmal auf das Handydisplay. Acht Mal bereits hatte seine Frau in den letzten 32 Minuten versucht ihn anzurufen. Sie musste sich inzwischen Sorgen machen. Warum beantwortete er ihre Anrufe nicht? Warum mied er das Gespräch mit ihr?
Er saß auf der Kante seines gemachten Hotelbetts, im gelben elektrischen Licht, und stülpte die Lippen vor. Gern hätte er an seine Kinder gedacht, aber ihm fiel partout nicht ein, wie sie aussahen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Ablingen
September 8th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
So ein Publikum wie hier in Ablingen, das hast du nirgendwo sonst. Ein so sachverständiges, kunstsinniges Publikum. Es ist wirklich erschütternd, wie ernst die Leute hier die Kunst noch nehmen. Ich könnte heulen, wenn ich das sehe! Was soll ich in der Stadt, in der Stadt grassiert doch der Unverstand! Da wird nur noch auf Effekt gearbeitet, auf Schlagzeile. Aber Schlagzeilen haben ja mit Kunst nichts zu tun! Kunst braucht keine Schläge, sondern Schutz. Kunst braucht Zeit, um sich zu entfalten. Wie guter Wein. Übrigens findest du auch so einen Wein wie hier in Ablingen nirgends sonst. Ich meine, ins Verhältnis zum Preis gesetzt. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Integrationsunwillig
September 8th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Ich begreife nicht, wie man Leuten, die in unsere Gesellschaft nicht integriert werden wollen, mangelnde Intelligenz vorwerfen kann!