Trixi und der Poststrukturalismus, kurz bevor Derrida das Abo der westlichen Metaphysik abbestellte

Oktober 3rd, 2010 § 1 Kommentar

Tom T. Punning war in der Stadt. Er wollte sich „mal wieder so richtig die Seele aus dem Leibe ficken“. Wenn man Tom zum ersten Mal begegnete, hatte Harry, der schwule Lyriker, mir im Geheimen anvertraut, hielte man ihn für einen Schwarzen – „und ganz sicher nicht aufgrund seiner Hautfarbe, hehe“.
Wie auch immer.
Seine sexuelle Inspiration bezog Tom – oder „Tee“, wie viele seiner Freunde ihn nannten, da er hinsichtlich seiner Ernährungsgewohnheiten einen absolut cleanen Lebenswandel pflegte – aus Kolumnen einer gewissen Suzette. Die war von Januar bis Dezember zwischen Korfu und Koblenz nur mit einem Ziel unterwegs: möglichst oft pro Kilometer flach gelegt zu werden. Nebenbei verfasste sie Pressemeldungen für irgendein weltumspannendes PR-Agenturen-Netzwerk und machte ihren Master in Soziologie. Im Audimax von Konstanz hatte sie sich mit Trixi und Babette angefreundet, zwei wirklich blöden, öden Schlampen, die natürlich zu unserer Suzette passten wie die Faust aufs Auge.
Langweiliger als diese drei denkbar ungraziösen Grazien war wirklich nur Harry, der schwule Lyriker, dessen Gedichte sogar Wohlmeinende abstießen durch ihre gedankliche Banalität. Nikolaus, der Kultursoziologe, schüttelte in einem Anflug von Verzweiflung den Kopf. Wenn er etwas gelernt hatte in seinen Lehrjahren als Drohne des Kulturbetriebs, dann war es, dass man seine Dummheit hinter Phrasen von neonbunter Leuchtkraft zu verstecken hatte. Es gab einen Weg, Dinge so auszudrücken, dass noch nicht einmal der Dalai Lama hätte sagen können, ob das nun der vollendete Blödsinn war oder ein Schimmer echter Weisheit.
Aber Tom T. Punning.
Der war also in der Stadt, hatte schon zwei Tage ununterbrochen herumgehurt und sehnte sich jetzt nach einem entspannenden Saunagang. Vorher aber musste er sich aus einer ziemlich unangenehmen Situation befreien: Suzette, Babette und Trixi unterhielten sich am Tresen neben ihm in der „Bar Geldlos“ über das Thema „Poststrukturalismus, Derrida und die Zukunft der westlichen Metaphysik“. Keine von den dreien hatte auch nur das Geringste beizutragen, versteht sich. Bei „Strukturalismus“ zogen sie auch nach 15 Theorieseminaren noch blank, Physik hatten sie eh in der sechsten Klasse abgewählt, und Derrida? Derrida, Derrida, Derrida? Hm …
Am Ende verständigten sie sich darauf, dass sie von der „Post“ reden würden.
Tatsächlich war es eine Schande, dass Trixis Cousin längst wieder zurück war von Ibiza, die versprochene Karte aber immer noch irgendwo in den Wolken herumhing.

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§ Eine Antwort auf Trixi und der Poststrukturalismus, kurz bevor Derrida das Abo der westlichen Metaphysik abbestellte

  • cantueso sagt:

    Aber ich weiss, was an dieser Geschichte nicht wahr ist.

    Diese drei Luder — oder sind es deren vier — wären zwar in Soziologie und Literatur etc anzutreffen, und die befassen sich flüssig mit Derrida und Metaphysik, aber nicht in der Freizeit. Und schon gar nicht im Gespräch unter Freunden.

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