Signori
Oktober 5th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
„Was? Was ist?“
Bob sitzt mit seinem verlegensten Lächeln auf der Sitzbank gegenüber von Tom T. Punning und Georg. Die beiden hatten schon seit geraumer Zeit bei ihrem Lieblingsitaliener gewartet – weniger auf Bob und seine magische schlechte Laune als darauf, dass sich endlich jemand dazu herabließe, nach ihren Wünschen zu fragen. Was lange, lange nicht geschehen war. Kaum aber hatte Bob Platz genommen, war die glutäugige, rotwangige Sabrina an ihrem Tisch aufgetaucht, um munter zu krähen:
„Signori!“
Ist es da ein Wunder, dass Georg seinen Bürokollegen jetzt mit einem strafenden Blick bedenkt? Oder vielmehr bedenkt er seinen leeren Suppenteller mit einem strafenden Blick. Welcher umso strafender ausfällt, je stärker Georg zu Bewusstsein kommt, wie absurd es eigentlich ist, einen leeren Suppenteller strafend anzusehen.
Georg ärgert sich insgeheim wahnsinnig über sich selbst, weil er in seinen leeren Suppenteller starrt. Aber jetzt hat er einmal damit angefangen, dann kann er auch nicht einfach aus der Rolle fallen!
Mist.
„Was soll das mit den Zetteln?“, fragt Tom T. Punning, seinen Mittagsmartini in der Hand, den Olivenzahnstocher im Mundwinkel.
„Unser Praktikant hat’s mal wieder versemmelt“, sagt Bob leise.
Tom und Georg werfen sich einen bedeutungsschwangeren Blick zu.
„Das Mädel oder der Nazi?“
„Er ist kein Nazi.“
„Und sie ist kein Mädel. Aber welcher von beiden war’s?“
Bob nimmt einen Schluck von seiner Apfelschorle. Er weiß, dass dieser Dialog früher oder später im Internet auftauchen wird, auf den Seiten des Blogozentrikers.
„Also“, sagt er, nachdem er innerlich zur Ruhe gekommen ist, „es geht um eine Anzeige für einen großen deutschen Elektronikkonzern. Die wollen eine Säge bewerben.“
„Im Baumarkt, nehm ich an“, sagt Georg.
Er sagt es tonlos.
Auf diese Weise, das ist seine stille Hoffnung, klingt es einigermaßen bedrohlich. Auf jeden Fall eingeschnappt.
So klein mit Hut (etwa zwei Zentimeter) sagt Bob: „Ja. Eine Säge, die sich sehr komfortabel tragen lässt.“
„Okay.“ Tom T. Punning verschränkt seine Arme vor der Brust und lehnt sich zurück. Vor Freude treten seine Kiefermuskeln hervor. „Und jetzt sollen wir’s wieder in der Mittagspause richten, oder was? Für deine Praktikanten?“
„Ja.“
Bob ist inzwischen nur noch 1,5 Zentimeter groß. Er entfaltet ein paar Zettel, auf die wirres Zeug gedruckt ist, ganz oben ein Logo.
Das Briefing.
„Vielleicht könnten wir ja mal kurz zusammen …“
„Ich denke“, unterbricht ihn Georg, endlich seinen Blick aus dem leeren Suppenteller erhebend, „das lässt sich einrichten. Aber es kostet dich eine Kleinigkeit.“
„So? Was?“
Bob blinzelt.
„Eins von deinen Kondomen.“
„Zwei!“, sagt Tom T. Punning schnell.