Flüchtige Verbindung

Oktober 29th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

- Das klingt aber wirklich dramatisch!
- Ach, Bob Macha winkt ab. Das waren doch bloß ein paar Pitbulls. Halb so wild!
- Aber Sie waren ja nackt!, ruft die brünette junge Frau aus. Und ganz allein! In Eis und Schnee! Mitten in der Nacht!
- Das war etwas unangenehm, zugegeben. Zumal ich seit Tagen hohes Fieber hatte. Aber na ja.
Bob Macha nippt an seinem Flachmann und schaut aus dem Wagenfenster.
Die hübsche junge Frau macht ganz große runde dunkelbraune Rehaugen:
- Und geschossen hat man auch auf Sie!
- All das mag man als unvermeidliche Begleitumstände einer Flucht aus einem sowjetischen Gefangenenlager ansehen, äußert Bob nach kurzem Nachdenken. Wirklich lästig war allerdings die Fleischwunde im Oberschenkel, die dieser glatzköpfige Zwei-Meter-Klops mir mit seiner Machete noch hatte beibringen können, bevor es mir gelang, seinen Kopf in die Sägemaschine zu pressen.
- Sie waren demnach über und über mit Blut bespritzt, wie Sie da nackt durch die Frostnacht rannten, von Höllenhunden gehetzt?
- Genau deswegen, Bob Macha lacht trocken auf, waren die Pitbulls ja so gierig! Die hatten ganz buchstäblich Blut geleckt. Sie beschreiben das übrigens sehr effektvoll, fügt er mit leiser Stimme hinzu, sehr eindringlich. Da bekomm ich selbst noch mal Angst, rückblickend.
Die junge Frau, eine wirklich unwahrscheinlich aparte Erscheinung von hohem, aristokratischem Wuchs, schaudert. Sie stellt sich vor, wie es sein muss, in so einer Situation zu sein. Und sie stellt nach einigen Bemühungen fest: Das kann man sich gar nicht vorstellen!
In so einem Taxi, auf dem Weg durch eine, alles in allem, nicht gar zu schlimme Metropole wie Berlin, fühlt sie sich plötzlich schuldig. Dass sie in dieser Komfortzone leben darf, verdankt sie ja auch dem Umstand, dass Typen wie dieser Bob in der Kampfzone leben. Und dort Unsägliches, Unvorstellbares und Unbeschreibliches durchmachen!
Sie sagt, mehr ein Hauchen:
- Es ist furchtbar.
Bob schweigt.
- Nun ja, sagt er dann. Dafür haben die wirklich gut gezahlt für den Dreh. Und die Marketingleute von Smirnoff haben auch immer für ausreichende Mengen Sprit am Set gesorgt. Das war schon in Ordnung.

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