„Es gibt zwei Arten von Romanen …“
November 30th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
„Ach, Boss! Das stimmt doch so nicht! Das ist doch mal wieder eine grobe Vereinfachung!“
„Du bist gefeuert!“
Paul, unser Sportredakteur, stand auf und verließ den Raum. Widerspruchslos. Bob Macha trommelte wütend mit seinen beiden Daumen auf den Tisch ein.
„Sonst noch jemand?“, zischte er.
Schweigen.
„Es gibt also zwei Arten von Romanen“, sagte er dann. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Eine Liebesgeschichte
November 30th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Sie hatte eine Trägheit, die mich absolut faszinierte. Sogar ihre Haut zeichnete sich durch eine gewisse Dickfelligkeit aus. Dabei war sie nicht dumm, oder nicht allzu dumm. Nur leistete etwas in ihr instinktiv Widerstand gegen den hysterischen Anteil unseres Lebens. Da dieser hysterische Anteil in unserer Medienwelt der weitaus größere ist, besaß sie einige Charakteristika von weniger entwickelten Lebensformen wie Plankton. In ihr bestand eine starke Reserve, man konnte sie kaum locken. Die künstliche Hitze der Gesellschaft ging sie nichts an, sie entzog sich. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Männer aus dem Büro. Mittagspause in einer deutschen Vorabendserie
November 29th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
- Bob …
- Ja, was?
- Wie soll ich’s ihm sagen, Georg?
- Wieso? Was ist denn?
Bob sah freundlich von Tom zu Georg und von Georg zu Tom. Er lächelte.
- Megapeinlich, sagte Georg und wurde rot. Aber jetzt hast du davon angefangen …
- Habt ihr ne Meise! Bob brauste auf. Was ist denn nur?
- Jetzt musst du diese Soziale Spastik auch durchziehen, sagte Georg streng.
- Oh, Mann … Tom rieb sich die hohe Stirn vor Verlegenheit. Es ist mir so zuwider … « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Reduced to the Mex
November 29th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Ich trat gegen den Reifen des Jeeps. Das Ding war platt, platt wie ein norddeutscher Elektro-Hiphop-Song. Ich schob meinen Hut in den Nacken und fragte mich, wie lange es dauern würde, bis wir tot wären. Verdurstet oder von Skorpionen aufgefressen.
Sie stand auf ihrer Seite des Jeeps, die Hände in die Flanken gestützt, und schüttelte den Kopf. Es war keineswegs so, dass ich mich danach gesehnt hätte, nach Mexiko zu fahren. Sie war es, die im kalten, windigen New York von Tortillas träumte und von sonnenheißen Sombreros.
Sie war wunderschön, immer noch und vielleicht mehr denn je, aber ich hätte sie erwürgen können.
- So what?, rief ich. Bis du nun zufrieden? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Das Leben hat nicht Platz in einem Buch
November 28th, 2010 § 1 Kommentar
- Was mich am meisten verbittert, sagte der dicke alte Mann, und sein Schal war so unordentlich um seinen Hals gelegt, dass sie fürchtete, er werde gleich herab rutschen, das ist die fürchterliche Menge von Leben, die wir einfach nur stumpfsinnig weg leben, ohne dazu eigentlich etwas denken oder schreiben zu können — etwas, das über das banal Strategische, das Situationsgebundene hinausgeht. Diese ganzen toten Minuten und Stunden ärgern uns, wie Abfall, den wir selbst hinaustragen müssen. Sie quälen uns. Wir bringen keine poetische Struktur hinein, können dieser Masse an Zeit keinen Sinn verleihen, ihr keine Krone aufsetzen, keinen Glanz herauspolieren. Begreifst du, was ich meine? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Im Kampf gegen die Leere
November 28th, 2010 § 1 Kommentar
- „Der Kampf gegen die Leere“ … Bob guckt spöttisch. Na ja. Ist das nicht etwas …
- Pathetisch?
- Ja. Bob zuckt die Achseln. Ich meine, nur weil du mal als Pennäler „Die Pest“ und „Der Fremde“ von Camus gelesen hast … qualifiziert dich das wirklich zum Leerearbeiter?
Er grinst, und ich gehe uns noch einen Drink holen.
Meine neue Wohnung. Ich habe einen riesigen Tresen vor der riesigen Balkonschiebetür, aus Holzimitat. Echtes Holz war mir unheimlich, ich meine, „Holz arbeitet“, hat die Innendesignerin dauernd wiederholt mit manischem Nicken, und was sollte das anderes heißen als: „Holz lebt“?
Und was ich nun absolut nicht gebrauchen kann, ist etwas in meinem Küchenwohnzimmerbereich, das lebt, während ich auf der Arbeit bin. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Rollentauschwert
November 28th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Meine Assistentin hatte mir zum Geburtstag einen Roman von Don DeLillo geschenkt. Es war ein gutes Buch, hervorragend geschrieben, und ich wusste, ich würde es nicht lesen. Schon der Passus über die Ex-Frau des Protagonistin, eine Blonde mit kleinen Brüsten und dem Naturell einer Cheerleaderin, sagte mir, dass dieses Buch nichts für mich sei. Mir fehlten darin die erzenen Trompeten, sagte ich, und Georg blickte endlich auf.
- Was für erzene Trompeten?
- Na ja, sagte ich, außerdem hat auch Liz – das war meine Assistentin – blondes Haar, kleine Brüste und so ein fröhliches Temperament. Ich sagte: Das gibt doch bloß Ärger, was?
In diesem Augenblick stürmte Bert „Big“ Bruder in die Bar, wo wir gerade den ersten Advent feierten. Er klatschte in die Hände und rief lustig:
- Okay, Leute, jetzt wird’s ernst. Der Blogozentriker ist verschwunden, und wir müssen eine Weile die Stellung halten. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Hirn, Celle
November 26th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
- Schon als Bub, sagte Bob, wusste ich, dass ich Literat werden wollte! Diese Idee hat sich mir tief ins Herz gepflanzt!
Bob haute sich mit der Faust auf die Brust und lachte.
Georg, den Mund sperrangelweit offen, weil er ins Butterbrot beißen wollte, das er mit zwei kleinen Händen gepackt hatte, hielt inne. Und starrte seinen Cotexter an.
- Schriftsteller?, fragte er, die Frage dehnend. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Alles in Margarine
November 26th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
- Du, ich steh da enorm unter Druck! Die erwarten von mir, dass diese Idee voll reinhaut! Wenn das schief geht, bin ich weg vom Fenster — und ein ganzes Unternehmen reiße ich auch noch mit in den Abgrund! Ich darf gar nicht dran denken …
- Ja, aber um welches Produkt geht’s denn eigentlich?
- Margarine.
- Was?
- Ja, sagt Max, da soll eine neue Margarine am Markt etabliert werden. Und da gibt’s natürlich ein irres Wettbewerbsumfeld.
Ansgar lehnt sich zurück, gegen die Caféwand.
- Margarine! Du liebe Scheiße! Und was macht man denn da? « Den Rest dieses Eintrags lesen »