Nackte Seelen
November 5th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
- Warum hast du … so einen Roman zu schreiben, das ist doch eine Sauarbeit, oder?
- Mörderisch.
- Warum hast du die „Hohlkörper“ geschrieben?
- Weil sie eigentlich „Nackte Seelen“ heißen sollten.
- Ach so? Und warum hast du den Namen geändert?
- „Nackte Seelen“ gab’s schon.
- Was ist das für ein Buch? Ist es deinem ähnlich?
- Irgendein Psychoschocker, glaub ich, mit aufgeschnittenen, ausgeweideten jungen Frauen. Von einem Belgier geschrieben. Keine Ahnung.
- Aber schade! Ein toller Titel!
- Ja, eigentlich eine Tragödie. Für mich waren das immer „Nackte Seelen“, die „Hohlkörper“. Ursprünglich bestand das Buch mehr oder weniger aus Dialogen, die Schnittmengen bildeten, sich im Kopf des Leser trafen … eine andere Konzeption.
- „Hohlkörper“ ist aber auch nicht schlecht.
- Es ist eine Anspielung, letztlich, auf T. S. Eliot. Das wird in „Apocalypse Now“ zitiert, sein Gedicht „Hollow Men“. Im Film von Marlon Brando vorgetragen. Sehr, nun ja, wirksam.
- Ah, ja.
- „Hollow Men“ wiederum nimmt natürlich einen Barockleitgedanken auf, die Vanitas. Das heißt ja buchstäblich: Hohlheit.
- Deswegen „Hohlkörper“?
- Nein. Das kam assoziativ. Und weil ich diese phantastische Cover-Illustration hatte …
- Die ist wirklich toll!
- Von Georg Baur. Also, das Modell war Georg Baur. Die Künstlerin war Suzanne Levesque.
- Suzanne Levesque?
- L-e-v-e-s-q-u-e. Suzanne, mit Z.
- Verstehe. Eine Französin?
- Nein.