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November 17th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Auf seinem XING-Profilbild zeigte er sich als Skifahrer. Kernig, gesonnt, grinsend. Die Brille auf der braunen Stirn hochgeschoben, hinauf ins wuschelige schwarze dicke Haar. Im Hintergrund Azur und weiße Bergeshöhen. Ein Modell von Leistungsstärke und Unerschütterlichkeit. So sah er sich auch wirklich. Es war kein offener Selbstbetrug oder gar bewusste Lüge, sondern eher mauvaise foi, das, was Ibsen „Lebenslüge“ genannt hätte, eine notwendige und alltägliche, durch ihre Alltäglichkeit undurchschaubar gewordene Unaufrichtigkeit sich selbst gegenüber. Von dem, was ihn von innen her bedrohte, hatte er keine Ahnung. Er erlebte sich selbst im Vokabular der Massenmedien, ließ sich treiben im Strom warmen Siegs- und Siegergeplauders. Das war schon bei seinem Vater so gewesen. Insofern war sein Gehirn gut durchgespült – nicht zu seinem Schaden, muss man sagen. Sein Befinden war einwandfrei. Zu leiden hatten die anderen, seine Frau, beispielsweise, oder seine Kollegen.