5. Akt, letzte Szene
November 17th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
- Herr Proust, da ist ein Herr Beckett, der …
- Der soll bloß draußen bleiben! Haben Sie ihn hereingelassen, Marie?
- Nein, Herr Proust.
- Der soll draußen bleiben! Dafür sind Sie mir persönlich verantwortlich, dass der hier nicht rein kommt!
- Sehr wohl.
- Und jetzt ab. Raus mit Ihnen!
(Marie ab.)
- Ich schreibe hier meine „Recherche“, und dauernd kommen irgendwelche Kollegen und Konkurrenten, um sich über die „Fortschritte“ meiner Arbeit zu informieren! Klar, FORTSCHRITTE! In Wahrheit wollen die mich doch alle unterbuttern. Die wollen mich fertigmachen. Was sie eigentlich sehen wollen, sind meine Rückschritte, meine Stillstände.
- Hallöle!
- Ja, wer sind Sie denn jetzt?
- Godot, mein Name!
- Ach! Auf Sie warte ich schon geraume Zeit.
- So? Wirklich?
- Aber ja!
- Weswegen denn?
- Einfach so. Ich hab auf Sie gewartet, das ist alles.
- Rätselhaft … einfach so warten?
- Und? Was gibt’s nun?
- Tja, ich weiß auch nicht …
- Aber aus irgendeinem Grunde müssen Sie doch hier eingetreten sein?
- Ja, weil Sie halt gewartet haben …
- Was Sie, wie Sie selbst sagten, gar nicht wussten!
- Ach so … stimmt auch wieder.
- Also, was wollen Sie von mir, Godot?
- Warum wollen Sie den Herrn Beckett nicht sprechen?
- Ich spüre kein Verlangen danach.
- Ach. Wie schade. Der wirkt sehr nett, der Herr Beckett!
- Nett? Nett sind die alle. Schriftsteller. Bah. Nettes Pack. Aber nur, wenn man nicht einer von ihnen ist! Alles Schattenmaschinen. Unheimlich.
- Alles klar. Dann werd’ ich mal draußen warten …