Asymmetrische Gegenbegriffe
November 19th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Im Mittelalter war „Sarazene“ ein Synonym für „Araber“, mithin für „Moslem“. Ist es da nicht, wenigstens in sprachkritischer Perspektive, höchst ironisch, dass ausgerechnet ein Deutscher, der offenbar nach den Sarazenen benamst wurde, die Angst vor seinen etymologischen Ahnen schürt? Thilo Sarrazin schmetterte ins Medien-Abendland: „Lasst nicht zu, dass der genetische Ausschuss der Sarazenen unsere christlichen Intelligenzspitzen abfeilt“ – so übersetze ich mir, ohne natürlich seinen faktenreichen Wälzer auch nur aufgeschlagen zu haben, seine steilen Thesen.
Sarrazin ist ja selbst eine typisch deutsche Gestalt – der vermurmelte Privatgelehrte, ein Westentaschen-Faust, ein Bücherwurm-Frankenstein, der sich genug mit Biologie beschäftigt hat, um ein Monster (Streitschrift) aus Leichenteilen (in Fachbibliotheken auffindbaren wissenschaftlichen Texten) zusammenzusetzen. Und siehe da – das Monster lebt! Es wankt, die Arme blind vorgestreckt, unschöne Schweißnähte quer über die Stirn, von Talkshow zu Talkshow, von Stammtisch zu Stammtisch.
Fast idiotischer Höhepunkt des Sarrazinischen antisarazenischen Wirkens: Der mittlerweile in Madrid, Spanien, tätige deutsch-türkische Fußballer Mesut Özil bekommt einen Burda-Bambi verliehen für seine vorbildliche Integriertheit. Die Dankesrede liest er jedoch vom Teleprompter ab, und das auf eine Art und Weise, die einen beim Zuschauen überlegen lässt, ob man ihm dafür den Integrationspreis nicht gleich wieder abnehmen sollte.