Hirn, Celle

November 26th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

- Schon als Bub, sagte Bob, wusste ich, dass ich Literat werden wollte! Diese Idee hat sich mir tief ins Herz gepflanzt!
Bob haute sich mit der Faust auf die Brust und lachte.
Georg, den Mund sperrangelweit offen, weil er ins Butterbrot beißen wollte, das er mit zwei kleinen Händen gepackt hatte, hielt inne. Und starrte seinen Cotexter an.
- Schriftsteller?, fragte er, die Frage dehnend.
- Ja, schwadronierte Bob, den Blick hinauslenkend auf die frisch verschneite Landschaft, die der Norden in karger Flachheit darbot. Ich las Goethe, den „Werther“ – ohne dass ich etwas davon wirklich verstanden hätte, natürlich. Bob lachte erneut. Aber schon die Möglichkeit, sich noch so ein paar herrliche Formulierungen aus dem Kreuz zu leiern, bevor man sich die finale Kugel ins Hirn jagt – das fand ich toll!
Bob schraubte seiner Thermoskanne auf und goss sich pfeifend ein Becherchen ein.
- Willst du auch einen Tee?
- Ist das purer Tee?, erkundigte Georg sich skeptisch.
- Na, mit Rum!, rief Bob. Er lachte wieder. Ich hab nämlich direkt nach Goethe Hemingway gelesen, und da war mir klar: Sich die Zeit in den Schreibpausen mit Saufen zu verkürzen – etwas Besseres gibt’s gar nicht!
Georg schüttelte den Kopf.
- Du bist schon ne Marke, Mann.

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