Michel Eyquem de Montaigne
November 26th, 2010 § 2 Kommentare
- Montaigne?
- Montaigne, ganz recht.
- Ernst nehmen?
- Montaigne ernst nehmen, endlich mal. Das ist längst überfällig. Wusstest du, dass Nietzsche gesagt hat, durch Montaigne sei die Lust, auf dieser Erde zu wohnen, ungeheuer vermehrt worden? Also, den genauen Wortlaut, da müsste ich jetzt auch … ich werd ihn mal auf dem iPhone googlen, Sekunde …
- Lass doch, ist doch egal, der genaue Wortlaut!
- Egal? Aber für irgendwas muss sich der Kauf von diesem Scheißapparat doch gelohnt haben! Pass auf, ich google das jetzt!
- Was ich nur nicht verstehe, Bob. Wie nimmt man denn Montaigne bloß ernst, um Himmels willen? Was soll das denn heißen, “Montaigne ernstnehmen”? Ich kann mir darunter gar nichts vorstellen, offen gesagt …
- Na, ist doch ganz einfach, sagte Bob wütend. Indem man eben mal NICHT einen pappköpfigen Nullachtfünfzehn-Philosophen, sprich: einen Blogger spielt, sondern sich zur Abwechslung mal wie ein echter Philosoph verhält!
- Wie Montaigne?
- Ja, klar!
- Der ein echter Philosoph war?
- Was würdstn du da eintippen, bei so einer Suchanfrage?
- “Nietzsche, Montaigne.” Das müsste klappen.
- Du hast das Buch gesehen, oder? Seine “Essais”? Hast du es neulich gesehen, als ich es unter den Arm geklemmt mit mir herumtrug, oder nicht?
- Die blaue Schwarte?
- In der Neuübertragung von Hans Stilett. Hervorragende Arbeit, übrigens. Wirklich ausgezeichnet.
- Ziemlich umfangreich aber auch. Das sah ja richtig schwer aus, das Ding!
- Der Leib des Philosophen, sagte Bob und hob bedeutungsvoll seinen Zeigefinger. Das ist es, was von einem gedachten Leben übrig bleibt, Georg.
- Von einem gedachten?
- Von einem, na, halt mit Denken zugebrachten! Von einem wirklich intellektuellen, dem Nachdenken geweihten Leben … okay, und hier ist auch, was Nietzsche zu dem Thema zu sagen hat: “Dass ein solcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist wahrlich die Lust auf dieser Erde zu leben vermehrt worden.” Da fehlen gleich zwei Kommata, hm … weiter: “Mir wenigstens geht es seit dem Bekanntwerden mit dieser freiesten und kräftigsten Seele so, dass ich sagen muss, was er von Plutarch sagt: ‘kaum habe ich einen Blick auf ihn geworfen, so ist mir ein Bein oder ein Flügel gewachsen.’ Mit ihm würde ich es halten, wenn die Aufgabe gestellt wäre, es sich auf der Erde heimisch zu machen.”
- Das sagt Nietzsche?
- Ja.
- Aber sind wir jetzt nicht auch schon wieder so pappköpfige Dingsbumspuppen?
- Hast recht.
- Und?
- Scheißegal.
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Lieber Blogozentriker,
Du musst nicht iphone-googeln. Das Zitat ist aus Schopenhauer als Erzieher (2. Kapitel). Hoffe, ich konnte Dir mit dieser Information helfen.
Unzeitgemäße Grüße vom Schnauzerblogger
Vielen Dank, Herr Braun,
für diese guten Worte!
Ihr Fritz N. Ietzschel