Im Kampf gegen die Leere
November 28th, 2010 § 1 Kommentar
- “Der Kampf gegen die Leere” … Bob guckt spöttisch. Na ja. Ist das nicht etwas …
- Pathetisch?
- Ja. Bob zuckt die Achseln. Ich meine, nur weil du mal als Pennäler “Die Pest” und “Der Fremde” von Camus gelesen hast … qualifiziert dich das wirklich zum Leerearbeiter?
Er grinst, und ich gehe uns noch einen Drink holen.
Meine neue Wohnung. Ich habe einen riesigen Tresen vor der riesigen Balkonschiebetür, aus Holzimitat. Echtes Holz war mir unheimlich, ich meine, “Holz arbeitet”, hat die Innendesignerin dauernd wiederholt mit manischem Nicken, und was sollte das anderes heißen als: “Holz lebt”?
Und was ich nun absolut nicht gebrauchen kann, ist etwas in meinem Küchenwohnzimmerbereich, das lebt, während ich auf der Arbeit bin.
Ich setze mich auf den Barhocker neben Bob und stelle ihm sein Bier hin.
- Du vergisst, sage ich, dass ich auch “Der Mythos von Sisyphos” gelesen habe.
- Halb, hast du mir gesagt, sagt Bob, an seinem Flaschenhals nuckelnd.
- Okay, aber mehrfach halb.
Ich erröte, beim Schwindeln ertappt.
- Ich meine, ich versteh schon, sagt Bob und stellt sein Bier ab auf dem Holzimitat. Eine Zeitlang fühlt man sich herrlich, wie man dem Nichts – oder der “Leere” – die Zähne zeigt. Was ist man nicht für ein harter Kerl? Man könnte auch im Weltraum Wolkenkratzer bauen, wenn’s da draußen Wolken gäbe. Aber auf die Dauer, ist das da nicht etwas anstrengend? Man will doch irgendwann auch mal seine Ruhe haben, oder?
Was soll ich da sagen? Mein Blick wandert nach draußen, auf ein riesiges Plakat gegenüber meiner riesigen Balkonschiebetür. Abgebildet ist eine Batterie von Kleinwagen, und darüber steht: NEUE FREUNDE IM KAMPF GEGEN DIE LEERE.
[...] Dich und Dein Schaffen – darum bist Du auch da hinaufgeklettert. Du hast mir erklärt, Du seist kein Experte, und das für Dich kein Thema – Bob Du hast Dich von allem verabschiedet! – Hä? Kannst Du mir in einem klaren Satz sagen, was [...]