Fodöö …

Dezember 9th, 2010 § 1 Kommentar

Dann lag der Zettel vor mir, ich zögerte, und L. saß auf dem Fauteuil in der Ecke, putzte ihre Brille, eine mit dickem Rand, die sie wieder aufsetzte, als wäre nichts geschehen.
Peter Psilonema, Fünf Silben Tee


“FAUTEUIL” — ein Wort, das sogleich die ganze Buchkultur heraufbeschwört. Ganz vorgestrig geht das über die Lippen. Ein Fauteuil, den stellt man in seinen Salon, wo man die klugen Gefährten zum besinnlichen Plauderstündchen empfängt, Leute wie den Herrn von Doderer oder Arthur Schnitzler. Ein geübtes Ohr hört aus dem “Fauteuil” das “Feuilleton” heraus, aber natürlich das Feuilleton aus den feuilletonistischen Glanzzeiten, als es noch gelesen wurde, im Kaffeehaus, in dem man saß, wenn man nicht im Fauteuil saß. Den Fauteuil rückt man – nein, lässt man in die Bibliothek rücken, um den schweinsledernen „Candide“ noch einmal durchzublättern („Danke, Carl. Ich rufe Sie, wenn ich etwas brauche“). Man sitzt nicht AUF dem Fauteuil, wie man auf einem Stuhl oder einer Bierbank sitzt, sondern man sitzt IM Fauteuil, wie im Salonwagen des Orientexpresses. Wer im Fauteuil sitzt, fährt nicht Auto, denn das Auto ist im Grunde noch gar nicht erfunden, und sobald es erfunden sein wird, werden wir strikt vom „Wagen“ sprechen oder auch schon mal vom „Automobil“. Denn das Wort „Auto“ liegt nur einem Straßenköter leicht im Munde, und einen Straßenköter setzte nur ein Idiot oder ein Zyniker in einen Fauteuil! Im Fauteuil, die Arme auf weich gepolsterte Lehnen gebettet, macht man Bemerkungen, die des Aufschreibens wert sind, und trägt dabei Füllfederhalter und Notizbüchlein im Inneren seines alltagsgrauen Rockes. Im Fauteuil sitzen uns geheimnisvolle Frauen gegenüber und lachen unterhaltsam, mit einem mysteriösen und albernen Schlenkern in der Kehle; im Fauteuil sind sie sinnlich, ohne gleich besinnungslos feucht zu sein, denn ihre Albernheit ist mühsam antrainiert, wie auch das Air von Mysterium, das sie umspielt wie eine Melodie von Johann Strauss. Im Fauteuil verliert man auf bühnenwirksame Weise die Nerven, seine Contenance, vielleicht auch einfach den Zwicker, nach dem man sich dann bücken muss, was zu einer wiederum literaturfähigen Verfärbung des Hauptes führt, welcher mit einer oralen Infusion besten Kognaks zu begegnen sei, wie die uralte Grande Dame, Mutter des Hausherrn, noch vom Besuch des letzten österreichischen Kaisers her weiß. Dort im Fauteuil, wo Sie heute sitzen, saß seinerzeit übrigens der Kaiser, in strammer Uniform, ein majestätisches „Hm, hm“ auf den Lippen, dann musste er leider gleich wieder gehen, weil er von einem Balkon seinen Untertanen zuzuwinken hatte, so stand es im Protokoll.

Und ich? Ich sitze meist auf IKEA-Stühlen. Und das ist noch nicht mal Schleichwerbung!

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§ Eine Antwort auf Fodöö …

  • Köstlich! Lass Dich umarmen, ja? Peter Psilonema, und dann noch Fünf Silben Tee – das ist einfach umwerfend!

    Und ansonsten wirklich sehr schön.

    IKEA, wie soll ich sagen, verbindet, aber man wird ja noch träumen dürfen.

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