Ockham, lass das Messer stecken!
Dezember 21st, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
- Jedenfalls, ich träumte von diesem Roman, wie man von der Erlösung träumt. Und genau da lag das Dilemma: Wollen wir wirklich erlöst werden? Ist die Erlösung nicht auch das ENDE? So unerträglich unsere Realität auch sein mag – etwas in uns, paradox, aber zäh, klammert sich daran. Wir ziehen in jedem Fall das Elend dem Nichts vor – es sei denn, das Elend selbst rage schon ins Nichts hinüber … aber so weit war ich offenbar damals noch nicht.
- Du meinst, sagt Georg vorsichtig, der Roman war für dich so etwas wie ein Selbstmord? Ich meine, in ideeller Hinsicht?
- Das Ende, zumindest, einer bestimmten Lebensform, ja. Ein Neuanfang, eine Summe, ein radikaler Schlussstrich. Darum schwebte mir auch lange Zeit für diesen Roman, von dem ich nur träumte, der nur ein Schweben von Blasen und verwaschenen Bildern in meinem zerzausten Innern war, der Titel “Ockhams Messer” vor. Was ich im Auge hatte, war allerdings weniger eine logische Denkfigur, als eine scharfe Klinge, die man an den Hals seines Astral-Ichs setzt …
- Gerede, sagt Georg plötzlich heftig und hebt sein Bier und rülpst.
- Ja, sicher. Bob blinzelt. Und?