Keine neuen Nachrichten

Dezember 11th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

„Hunger! Bitte! Hören Sie doch auf!“
Helene Veterling wandte sich abrupt ab, hob die Hände, stöhnte. Ihr Kollege Knut Hunger hatte sein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger eingespannt und blickte nachdenklich drein. Er war der Kriminalpsychiater, eine unmöglich gekleidete und zu allem Überfluss stets muffig riechende Gestalt, und Helene Veterling hasste ihn. Nicht nur wegen der Hygieneproblematik. Auch nicht nur, weil sie Seelenklempner generell mit Misstrauen und Abscheu betrachtete (ihrer Meinung nach sollte die Welt der Seele das Hoheitsgebiet der reinen Wissenschaft, der Chemie sein; gegen jeden düsteren Gedanken gab es ein passendes Mittel, und das ewige Herumgequatsche nützte rein gar nichts). Nein, dieser spezielle Quacksalber ging ihr mit seiner salbungsvollen, geheimnistuerischen Provinzschauspielerei besonders auf den Senkel.
Sie hatte sich also umgewandt, die Hände gehoben, gestöhnt.
Jetzt atmete sie tief ein, nahm sich zusammen, drehte sich wieder um. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Die Hard, Literatur!

Dezember 10th, 2010 § 5 Kommentare

Dieser Text schließt an Erfahrungen an, wie der Verfasser sie zum ersten Mal machen konnte, als er die Buchhandlung Klaus Bittner in Köln betrat. Dort gab es, vor dem Amazon Age, Bücher leibhaftig zu erleben, die man sonst nur aus dem leisen Wispern wissenschaftlicher Fußnoten kannte. Ehrfürchtig nahm man sie in die Hand … ein erwartungsstolzer Narr. Aber, wie der erste Satz des Textes lautet:

Alles hat seine Zeit.
Es gab eine Zeit, da war es ein Geschäft, Theodor W. Adorno zu verlegen.
Es gab eine Zeit, da war Peter Handke ein Weltstar.
Dann gab es eine Zeit, da wurde man reich und berühmt, wenn man auf Plakate Sätze drucken ließ wie: „Geiz ist geil“ oder „Du bist Deutschland“.
Es gab auch eine Zeit, da setzten die Menschen sich abends mit einem guten Buch in ihren Sessel und stellten sich einer Erfahrung. Sie tauchten aus dem konformistischen Alltag ab und ein in die wortmächtigen und anspielungsreichen Kunstwelten großer, kritischer, bedeutender Geister. Es reichte diesen Menschen nicht, mit dem geschmacklosen Immergleichen, mit fernsehfähigem Kulturfastfood vollgestopft zu werden; sie waren neugierig auf echte Begegnungen.
Ich selbst kann mich an diese Zeit nicht erinnern. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

3 Minuten jede Seite

Dezember 10th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

„Verdammt kalt hier drin“, sagte Bob Macha, seinen Mantel noch enger zusammenziehend im Fond der Limousine.
„Ist halt nur Literatur“, grinste Georg, „ein kaltes Medium.* Stimmt’s nicht, Marshall?“
Der Fahrer, ein Kanadier in Livree, der seine Cowboystiefel auf das Gaspedal presste, gab ein zustimmendes Geräusch von sich.
„Ja, wir sollten ein Film sein! Das wär was. Dann wär’s wärmer hier drin.“
Bob stieß einen Stoßseufzer aus; was sollte er mit einem Stoßseufzer auch sonst machen, außer ihn auszustoßen?
„Dann trüge ich allerdings keine Livree“, gab der Fahrer zu bedenken. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Fodöö …

Dezember 9th, 2010 § 1 Kommentar

Dann lag der Zettel vor mir, ich zögerte, und L. saß auf dem Fauteuil in der Ecke, putzte ihre Brille, eine mit dickem Rand, die sie wieder aufsetzte, als wäre nichts geschehen.
Peter Psilonema, Fünf Silben Tee


„FAUTEUIL“ — ein Wort, das sogleich die ganze Buchkultur heraufbeschwört. Ganz vorgestrig geht das über die Lippen. Ein Fauteuil, den stellt man in seinen Salon, wo man die klugen Gefährten zum besinnlichen Plauderstündchen empfängt, Leute wie den Herrn von Doderer oder Arthur Schnitzler. Ein geübtes Ohr hört aus dem „Fauteuil“ das „Feuilleton“ heraus, aber natürlich das Feuilleton aus den feuilletonistischen Glanzzeiten, als es noch gelesen wurde, im Kaffeehaus, in dem man saß, wenn man nicht im Fauteuil saß. Den Fauteuil rückt man – nein, lässt man in die Bibliothek rücken, um den schweinsledernen „Candide“ noch einmal durchzublättern („Danke, Carl. Ich rufe Sie, wenn ich etwas brauche“). « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Fahrstuhl zum Abort

Dezember 9th, 2010 § 3 Kommentare

Vertrauen ist Mut, und Treue ist Kraft.
Marie von Ebner-Eschenbach

Draußen lag der Schnee der vorherigen Nacht als dünne, weiße Decke über der Welt. Ein Rabe stapfte mit harten Schritten darin herum. Er beobachtete mich, und ich beobachtete ihn. Ich fragte mich, was er von diesen Wohnblockarchitekturen halten mochte, von diesen Käfigen, in denen die Menschen sich einsperrten, als reichte ihnen die Massentierhaltung von Hühnern einfach noch nicht.

Wahrscheinlich war der Rabe einfach froh, dass er da draußen herumspazieren durfte, während die Menschen vor ihre Fernseher gebannt auf Ledersofas saßen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

„Quo vadis, Germany?“

Dezember 8th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Geht man über die Straße, schreit diese Frage einem aus allen Mienen entgegen. Die Münder freilich bleiben stumm. Niemand traut sich, etwas zu sagen, denn die offizielle Doktrin, von der Kanzlerin persönlich via „Bild am Sonntag“ herausgegeben, lautet: „Es geht uns gut, wir sind rüstig.“
Voll stiller Verzweiflung kippt der Normalbürger darum rasch noch einen Glühwein in sich hinein und brummelt kummervoll; vielleicht macht die verklimperte Soundkulisse des Weihnachtsmarkts ihn so matschig im Kopf? Vielleicht ist es natürlich auch das Rauschgift. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Ess, Ju, Wie

Dezember 8th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

- Bah. Das ist doch Fachchinesisch!
- Nun ja, sicher, allerdings müssen Sie bedenken, dass diese Luftfiltertechnologien wirklich keine ganz einfachen …
- Sie streuen mir Sand in die Augen. Sagen Sie, wie’s ist. Ohne Blabla.
- Das versuche ich ja!
- Nein! Sie weichen in Ihr Bürokratisch aus, in Ihr Beamtendeutsch!
- Aber das tue ich keineswegs! Es ist nur so, dass viele dieser hochdiffizilen … « Den Rest dieses Eintrags lesen »

„Dies ist vielleicht doch eine Pfeife!“

Dezember 8th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Magrittes Nicht-Pfeife

Thé à la menthe

Dezember 5th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Sie war wunderschön, wie sie da auf dem Bett lag, mit ihren langen schlanken braunen Beinen und dem braunen Haar. Friedlich, bekleidet nur mit einem Höschen und einem dünnen türkisen Top, das Gesicht dem Licht zugekehrt.
Schade, dass sie tot war. Was für eine Vergeudung!
Er stand vor der Dusche, mit entsetztem Gesichtsausdruck.
„Was ist das? Blut?“ « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wellen

Dezember 4th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

„Schon nicht mehr wahr“, sagt er. „Ich saß den ganzen Tag am Schreibtisch und träumte von meinem Roman, und das ist etwas, das man nicht tun sollte, auf keinen Fall! Bloß nicht am Schreibtisch sitzen und träumen! Selbst wenn man nur den Satz schreibt: ‘Mir fällt nichts ein, mir fällt nichts ein’, ist das hundert Mal produktiver“, sagt er, das Boot jetzt in eine weite Kurve ziehend, „als sich leeren Tagträumen hinzugeben. Onanie“, sagt er. „Man muss am Ball bleiben, den Körper der Sprache berühren, und wenn sie sich ziert, die Dame, dann muss man trotzdem ihre …“
Eine Möwe peitscht zwischen uns hindurch, zwischen seinem Kopf und meinem, und ich werfe mich so nach hinten, dass ich von der Bank falle. Er lacht.
„Vorsicht! Die Natur hat ihre Tücken, wie die Sprache auch.“
Ich rappele mich wieder auf. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wo bin ich?

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