Randnotiz zur Dialektik der Aufklärung

Januar 31st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

- Hören Sie, ich habe ihn doch genau gesehen!
- Voltaire?
- Ja.
- In Ihrer Wohnung?
- Vor meinem Schlafzimmer.
- Während Sie schliefen?
- Ich war natürlich wach! Ich hätte ihn ja nicht gesehen, wenn ich geschlafen hätte, nicht wahr?
- Aber Voltaire – der ist doch längst tot? « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Monolog, in eine selbstgehaltene Kamera gesprochen

Januar 31st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Da draußen wartet ein ganzer Kosmos von Möglichkeiten auf uns. Eine Herausforderung Gottes an unseren Schöpfergeist. Vor allem meine ich damit Speicherplatz. Unbegrenzte Speicher- und Übertragungsmöglichkeiten. Ein riesiges Archiv des Optimismus. Nur unsere Angst setzt den Gestaltungsmöglichkeiten Grenzen. Mit den richtigen Werkzeugen (Programmen) können wir noch am Ende der Welt die Menschen erreichen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Apophrades

Januar 31st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Aschberg war der einzige, der über den Dingen zu stehen schien. Er hatte etwas von einem Ölporträt aus dem 19. Jahrhundert, wie er in seinem fein gebügelten Anzug durch die Galerie stolzierte. Wichtiger als alles andere schien ihm zu sein, dass seine Zigarette nie ausging.
- Aschberg? Ein unglaublicher Idiot, wenn Sie mich fragen, hatte Bob Macha in einer Bar gelästert. Er hat etwas von einem Furz, weil er immerzu aus Larrys Arsch herausgekrochen kommt, in den unerwartetsten Augenblicken! Seinen Lebensstil kann er sich übrigens nur leisten, weil seine Frau ein Modegeschäft hat, in dem die ganze Kunstwelt einkauft. Von seinem Gedichtband „MinoTower/Inside the Labyrinth“ hat er nicht mal die erste Auflage verkauft – seit 1992! « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Chinarestaurant-Syndrom

Januar 28th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Was auch immer der Preis war, den Larry Gascoigne für seinen Erfolg zahlte – seine Mitarbeiter beteiligten sich an den Kosten. Während ich meinen von Zibetkatzen verdauten 300-Euro-pro-Pfund-Kaffee trank, rotierten die Angestellten von „Gascoigne Galleries“ wie Brummkreisel. Der Boden glühte förmlich unter ihnen. Wenn man ihnen so zusah, konnte man zu dem Schluss kommen, sie müssten noch schnell ihre persönlichen Angelegenheiten in Ordnung bringen, bevor ein Komet die Erde in Myriaden von Schnipseln sprengte – eine Aufregung, die so verständlich wie absurd war. Ich meine, warum noch seine Steuererklärung machen, wenn die Welt untergeht?

Larry genoss jedenfalls nicht zu Unrecht den Ruf einer unterdrückerischen, bedrückenden Persönlichkeit, obwohl er ständig einen auf „Mr. Offenes Gespräch“ machte. Das war reine Show. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Streicheleinheiten aus dem Jenseits

Januar 28th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Viele von uns empfangen die Nachricht vom Tod ihres Vaters als grausamen Schlag. Auf andere wirkt sie nur wie eine längst erzählte, ferne Sage. Es ist ihnen, im Zug sitzend oder am Steuer ihres Autos, als blätterten sie noch einmal durch ein Märchenbuch, das sie vor langer, langer Zeit zum letzten Mal in den Händen hielten. Sie wischen etwas Staub von der dunkel vertrauten Darstellung Schneewittchens im gläsernen Sarg und klappen das Buch dann für alle Zeiten zu. Sie fühlen sich etwas einsam, während sie in der Kapelle gegenüber dem Sarg Platz nehmen, ja, ja – doch das ist auch schon alles. Eine Versammlung von Gebilden aus kühler Luft, unter Schatten wandelnd zwischen den schwarzen schmalen Stämmen der Bäume im weißen Land.
Noch einmal möglichst laut seufzen, dann poltert eine letzte Schaufel Erde tragisch und dumpf auf das steifgefrorene Kruzifix, der Geistliche tönt erhaben, Sand und Schnee rieseln mit einem Flüstern an den Wänden des Grabes herab, dann endlich offenbart sich wie aus dem Nichts das erlösende Wort: „Ende“. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Der Geschmack von Zibetkatzen

Januar 27th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Was ich sah, war ein verschimmelnder Hamburger in einem Glaswürfel. Ein Hamburger auf einem Bett aus verdörrten Pommes Frites mit unappetitlich graugrünem Pelz, der wuchs und wuchs.
- Ein gewöhnlicher Hamburger?
- Wie Sie ihn in jedem Imbiss ums Eck kaufen können.
- Eine Ikone unserer Zeit.
- Das Werk trägt den Titel „Apoll“.
- Ist das ironisch?
- Natürlich, ja! Aber auch diagnostisch!

Wir befanden uns in Larry Gascoignes New Yorker Galerie, 422 West Broadway, im 2. Stock. Gascoigne hatte uns nach SoHo eingeladen, um über unser Projekt zu sprechen, und jetzt ließ er uns warten. Seine Angestellten machten lange Mienen. Er war kein einfacher Arbeitgeber – nicht umsonst nannte man ihn in der Branche „King Gaga“. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Sicherheitsschloss

Januar 26th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Julian Vandervogel stand am Tisch des Praktikanten, neben Helmut Frohl. Der Praktikant, ein dünnes Männchen mit dickrandiger Brille und stets herausstehender Zungenspitze, war respektvoll zur Seite getreten. Julian beugte sich vor, bis das gräulich-blaue Licht des Monitors von seinen schockverzerrten Gesichtszügen reflektiert wurde. Er stülpte die Lippen vor.
- Himmel! Was soll denn das sein?
- Das ist der Entwurf, sagte Larry Gascoigne, durch die gläserne Bürotür eintretend. Den hat die Grafikerin uns gerade geschickt. Wie findest du’s?
Julian streifte den Kunsthändler mit einem Blick.
- Der Entwurf für das Plakat? « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Reiner Stoff

Januar 26th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Helmut Frohl ließ ein paar Eiswürfel in den Whiskey klimpern. Es war echtes Eis aus der Arktis, 10.000 Jahre nach seiner Entstehung von Japanern von einem Eisberg gekratzt und in Flaschen abgefüllt. „Das reinste Wasser der Welt“ – und so kostspielig wie alle reinen Dinge. Ein Freund Frohls, der im Institut in Tokio arbeitete, hatte ihm eine Flasche zum 55. Geburtstag geschenkt.
Heb sie gut auf, hatte der Freund gescherzt, dieses Wasser ist wertvoller als Champagner – auch wenn es weniger sprudelt!
Ich werd die Flasche erst zu meiner Pensionierung öffnen, hatte Frohl zurückgescherzt.
Zu dem Zeitpunkt, setzte der Freund noch einen drauf, wird der Arzt dir sowieso alle anderen Getränke verboten haben! « Den Rest dieses Eintrags lesen »

04.48 Paranormal Activity

Januar 26th, 2011 § 2 Kommentare

- Georg?
In meinem Traum hatte ich gerade dieser hinreißenden Blondine den BH gelöst, als ich meinen Namen hörte. Ich war in Stimmung – endlich mal wieder, nach Monaten der inneren Dürre, und diese Blondine war auch heiß, ein echt nettes Mädel überdies, jung und wild und klug und hungrig, und was passiert? Jemand spricht mich in meinem eigenen Schlafzimmer von hinten an.
Die Stimme erkannte ich natürlich sofort.
- Bob? Was …
Es war dunkel, der Radiowecker, der mich jeden Morgen mit unerträglich guter Moderatorenlaune in die Welt der Zwecke zwang, zeigte an, dass es noch nicht einmal fünf Uhr war.
Bob Macha saß an meinem Bett.
Bob Macha war vor vier Monaten bei einem Flugzeugabsturz in den Anden umgekommen, auf der Suche nach der nächsten großen Story. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Lasst Bilder sprechen!

Januar 26th, 2011 § 12 Kommentare

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