Stephen knows best
Januar 5th, 2011 § 3 Kommentare
Eigentlich ja irre, dass es immer jemanden gibt, der es noch ein bisschen besser weiß. Ich weiß es besser als der arme Kunde, der sich einen Satz für sein Internetportal texten lässt von mir. (Oder wie wäre die Rollenverteilung sonst zu erklären?) Dann kommt die Lektorin aus dem sogenannten Korrektorat und weiß es gleich noch ein bisschen besser als ich. Da ich aber ihre Anmerkungen immer noch letztinstanzlich einzupflegen habe, bin ich dann wieder in der Top-Wissensdog-Position und kann ihre Besserwisserei mit Rechthaberei übertrumpfen. Nun hat der Kunde, der mich beauftragt hat, selbstverständlich einen Chef, und der weiß es dann wieder noch einmal besser. Der weiß es definitiv besser als mein Kunde, meine Korrektorin und ich zusammen. Aber natürlich weiß er es nur so lange besser, bis seinerseits sein Kunde auf ihn zukommt und mault: „Das ist ja Quatsch, was Sie da auf meiner Internetseite schreiben!“ Der Chefkunde greift zum Telefon und ruft bei mir an: „Was schreiben Sie denn da für einen Quatsch auf der Internetseite meines Kunden?“
Ich sage: „Das hab ich so bei Wikipedia gelesen!“
„Wikipedia?“ Das findet der Chefkunde gar nicht witzig: „Wikipedia ist total unzuverlässig, das wird doch von irgendwelchen Autisten und minderjährigen Spinnern zusammengeschrieben. Schauen Sie mal im Brockhaus nach!“
Nachschlagen im Brockhaus ergibt (der Praktikant wurde eigens in die Stadtbibliothek geschickt): Stimmt so, wie’s auf der Kundenkundeninternetseite steht. Der Anruf beim Chefkunden ergibt: Mag ja alles so sein, trotzdem kann das nicht stimmen, das habe der Chefkundenkunde so beschlossen. Was bleibt als letzter Ausweg? Wer weiß es noch mal besser als der Brockhaus? Anruf bei der Redaktion der Encyclopaedia Britannica. Die sagen: „Wir haben den Überblick verloren, rufen Sie Stephen Hawking an, der hat doch die letzten Rätsel des Universums entschlüsselt!“ Ich rufe also in der Beratung an, die sollen mir doch bitte mal die Nummer von Stephen Hawking raussuchen.
Zwei Wochen später. Eine monotone Lautsprecherstimme meldet sich: „Hello. This is Stephen Hawking. If you have a question concerning the universe or the emergence of Black Holes, drücken Sie bitte die …“ – oh, mein Wasser kocht. Ich muss. Schönen Abend Ihnen! Ciao!
Ein Teetrinker also; – und welche Sorte war es?
B O D U M. L E I D E R K O M M E I C H M I T D E M R U N T E R D R Ü C K E N N I C H T S O K L A R.
Ach, herrje! Spotten Sie, oder was? Von Camellia sinensis war die Rede, ihrem Wuchsort, der Ernte und Verarbeitung!