Von Beruf Hass
Januar 5th, 2011 § 2 Kommentare
Ganz schlimm fand er dieses Interview mit Sophie Andresky, der Pornoautorin. Lustige Pornos! Haha! So eine Scheiße! Er patschte sein Fäustchen auf den Tisch, der Salzstreuer fiel um. Das Wort „Speckröllchen“, meinte Jono von Saalfeldt, letzter Abkömmling eines uralten, verratzten Adelsgeschlechts, lechzend und hechelnd, das ginge doch nicht, nicht in einem Beitrag des „Spiegels“, nicht einmal in der „jämmerlichen, indiskutablen Onlineversion“. Früher, da sei der „Spiegel“ noch ein „ehrfurchtgebietendes, Intelligenz lähmendes Organ“ gewesen, der habe „definitiv das Do Re Mi gehabt“, doch das sei heute „gar nicht mehr nachvollziehbar, noch nicht einmal in Ansätzen“: „Das ist alles nur noch Rotz und Fotz.“ Der „Spiegel“, so Jono, sich langsam wieder beruhigend, habe die Wirklichkeit immer auf so eine wohltuend akute Weise gehasst, wie eine Krankheit; überall habe das Magazin seine Paranoia versprüht und den Kohl’schen Dumpf- und Dunkelmannoptimismus mit geradezu krankhaftem Eifer verfolgt, weil die Funktion dieses Optimismus ja immer nur gewesen sei, all die dreckigen, gemeinen Machenschaften zu verschleiern, deren sich die Mächtigen ganz selbstverständlich erfreuen, aber seit Gerhard Schröder zum Berater von Wladimir Putin geworden sei, auch bekanntlich beide auch „keine Kinder von Traurigkeit“, sei es mit all diesen publizistischen Versuchen, in „jakobinischer Manier kleinbürgerliche Moralvorstellungen durchzusetzen“, natürlich vorbei, ein für alle Mal. Sicher habe bei dieser Entwicklung auch der Augstein eine führende Rolle gespielt mit seiner „durch und durch kranken, aber eben genialen und versoffenen Blattmacherpsyche“. Oder vielmehr eben Rudolf Augsteins Tod – der habe die entscheidende Rolle gespielt. Axel Springer habe schlussendlich also gesiegt, schließt Jono dieses Gespräch ab, achselzuckend, der sei heute der „Caesar“. Der passe ja auch „mit seiner Scheiße besser in die Zeit“. Dann aber fährt Jono zusammen, wie von einem elektrischen Schlag erwischt. „Ich besuch dich dann nachher noch“, ruft einer, winkend, beim Hinausgehen, eine Plastiktüte in der Hand. Der Rufer grinst breit. „Kennen Sie den?“, fragt mich Jono, verschwörerisch seinen dicken Kopf über den Tisch hängend. „Das ist Randell Lanzelott, ein Dylanist.“ Ich sage: „Ich könnte kotzen!“
überall habe das Magazin seine Paranoia versprüht und den Kohl’schen Dumpf- und Dunkelmannoptimismus mit geradezu krankhaftem Eifer verfolgt, weil die Funktion dieses Optimismus ja immer nur gewesen sei, all die dreckigen, gemeinen Machenschaften zu verschleiern, deren sich die Mächtigen ganz selbstverständlich erfreuen, aber seit Gerhard Schröder zum Berater von Wladimir Putin geworden sei, auch bekanntlich beide auch „keine Kinder von Traurigkeit“, sei es mit all diesen publizistischen Versuchen, in „jakobinischer Manier kleinbürgerliche Moralvorstellungen durchzusetzen“, natürlich vorbei, ein für alle Mal.
Vielleicht “auch” beide Male streichen? Und das zweite “sei” besser zu einem “ist” machen, und das letzte zu einem “wäre”?
Korrigierte Version von “Von Beruf Hass”:
Ganz schlimm fand er dieses Interview mit Sophie Andresky, der Pornoautorin. Lustige Pornos! Haha! So eine Scheiße! Er patschte sein Fäustchen auf den Tisch, der Salzstreuer fiel um. Das Wort „Speckröllchen“, meinte Jono von Saalfeldt, letzter Abkömmling eines uralten, verratzten Adelsgeschlechts, lechzend und hechelnd, das ginge doch nicht, nicht in einem Beitrag des „Spiegels“, nicht einmal in der „jämmerlichen, indiskutablen Onlineversion“. Früher, da sei der „Spiegel“ noch ein „ehrfurchtgebietendes, Intelligenz lähmendes Organ“ gewesen, der habe „definitiv das Do Re Mi gehabt“, doch das sei heute „gar nicht mehr nachvollziehbar, noch nicht einmal in Ansätzen“: „Das ist alles nur noch Rotz und Fotz.“ Der „Spiegel“, so Jono, sich langsam wieder beruhigend, habe die Wirklichkeit immer auf so eine wohltuend akute Weise gehasst, wie eine Krankheit; überall habe das Magazin seine Paranoia versprüht und den Kohl’schen Dumpf- und Dunkelmannoptimismus mit geradezu krankhaftem Eifer verfolgt, weil die Funktion dieses Optimismus ja immer nur gewesen sei, all die dreckigen, gemeinen Machenschaften zu verschleiern, derer sich die Mächtigen ganz selbstverständlich erfreuen, aber seit Gerhard Schröder zum Berater von Wladimir Putin geworden sei, bekanntlich beide „keine Kinder von Traurigkeit“, sei es mit all diesen publizistischen Versuchen, in „jakobinischer Manier kleinbürgerliche Moralvorstellungen durchzusetzen“, natürlich vorbei, ein für alle Mal. Sicher habe bei dieser Entwicklung auch der Augstein eine führende Rolle gespielt mit seiner „durch und durch kranken, aber eben genialen und versoffenen Blattmacherpsyche“. Oder vielmehr Rudolf Augsteins Tod – der habe die entscheidende Rolle gespielt. Axel Springer habe schlussendlich also gesiegt, schließt Jono dieses Gespräch ab, achselzuckend, der sei heute der „Caesar“. Der passe ja auch „mit seiner Scheiße besser in die Zeit“. Dann aber fährt Jono zusammen, wie von einem elektrischen Schlag erwischt. „Ich besuch dich dann nachher noch“, ruft ihm nämlich einer zu, beim Hinausgehen winkend, eine schwarze Plastiktüte in der Hand. Der Rufer grinst breit. „Kennen Sie den?“, fragt mich Jono, verschwörerisch seinen dicken Kopf über den Tisch hängend. „Das ist Randell Lanzelott, ein Dylanist.“ Ich sage: „Ich könnte kotzen!“