Verdirbt Geld den Charakter?

Januar 12th, 2011 § 6 Kommentare

Ja.

Und damit können wir uns einem wichtigen Thema zuwenden: Warum blamieren sich die Intellektuellen, die Blatt- und Meinungsmacher so entsetzlich, sobald sie in den Social Media ganz ungefiltert herumtexten, ungeschützt durch Redaktion und Heftumschlag? Zwar hat jedes Platinfedervieh ein ganzes Rudel von Unterstützern hinter sich, die ihm den Arsch kratzen, auch wenn’s gar nicht juckt. Trotzdem ist nicht zu übersehen: Das Alphabetalphatier ist nackt! Bei den Schwingern der großen Worte ist privat auch alles nur Grins und Thumpsup und einfältiges Kommentieren („Lavinia Wilson im ZDF, die ist so toll!“), ganz wie beim nächstbesten Dorfdeppen aus der Bekanntschaft. (Ich sage das in dem Sinne, wie wir alle Dorfdeppen sind im Global Village – darum ja auch der Name „Globales Dorf“!)
Man stößt hier, im Sozialnetzwerk, wie auf einen alten Bekannten auf das Problem, dass oft eine furchtbar anzuschauende Hand eine wunderschöne Schönschrift hervorbringt. („Herr Macha, diese Doppelung von schön – das ist kein gutes Deutsch.“ – „Weiß ich, Herr Morgenstern. Aber nun stellen Sie sich vor, ich WILL gar kein gutes Deutsch schreiben – lieber ein ehrliches.“ – „Sie Sackgesicht!“)
Gut, Herr Morgenstern, dann so: „Und man stößt hier wie auf einen alten Bekannten auf das Problem, dass oft die fürchterlichsten Menschen die schönsten Sätze hervorbringen.“ – „Sagen Sie doch, Herr Macha: ‚Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln.’“ – „Aber – ist das dasselbe, inhaltlich?“ – „Warum nicht?“
Die Welt ist eine Schreibe.

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§ 6 Antworten auf Verdirbt Geld den Charakter?

  • Ja, und? Der Fehlschluss ist doch, dass Dichter, Künstler und Wissenschaftler, ethisch und menschlich ihrem Werk entsprechen würden (müssten).

    Und warum sollen “schön” und “ehrlich” Gegensätze sein?

  • Bob Macha sagt:

    Wir reden in unserem Beitrag ja auch von Journalisten, mete! Von Typen, die an und in der Öffentlichkeit arbeiten und nicht am und im Geheimnis! Schon die Bezeichnung “Platinfedervieh” schließt doch aus, dass es hier um seriöse Persönlichkeiten gehen könnte … Ich red jetzt hier mal für meine gesamte Redaktion: Wir finden alle, dass man als Buchstaben-im-Munde-Herumdreher zu einer gewissen Sorgfalt verpflichtet ist; man muss ja wissen, was man verhunzt. Und dass Brecht recht hat, wenn er schreibt: “Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.”

  • Tatsächlich? Journalisten bringen die schönsten Sätze hervor? Das meinst Du aber jetzt nicht ernsthaft, oder (Und man stößt hier wie auf einen alten Bekannten auf das Problem, dass oft die fürchterlichsten Menschen die schönsten Sätze hervorbringen)?

  • Kay Dickmann sagt:

    Mr meteliteratur, ich finde ja schon, dass einige Journalisten (= Tagediener) durchaus schöne Sätze hervorgebracht haben – gebe aber freimütig zu, dass ich letzten Endes auch auf dem Standpunkt stehe, dass die wirklich tollen Sachen nicht von einem Schurken geschrieben sein können! Das geht einfach nicht. Schlechter Charakter und guter Stil – für diesen Widerspruch ist in einer Seele allein kein Platz!

  • Dass Journalisten auch schöne Sätze hervorbringen (können), wollte ich gar nicht in Abrede stellen.

  • Das geht einfach nicht. Schlechter Charakter und guter Stil – für diesen Widerspruch ist in einer Seele allein kein Platz!

    Ich bin mir da nicht so sicher!

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