Der Tag ist nicht genug
Januar 16th, 2011 § 1 Kommentar
In diesem Traum war ich glücklich. Vielleicht nicht vollkommen glücklich, nicht auf amerikanische, auf diese endgültige Hollywood-Art glücklich, aber doch glücklicher, als ich es in meinem wachen Leben je gewesen bin. Es gab keine Streicher auf der Tonspur, verstehen Sie mich nicht falsch, es ging alles ganz still vonstatten, aber innerlich jubilierte ich, innerlich spielte sich eine ganze Symphonie ab — mag sein, dass ein Komponist sich so fühlt, wenn ihm die Idee zu seinem unsterblichen Werk kommt, im Augenblick der konzentriertesten Inspiration.
Ich bin kein Komponist. Ich bin noch nicht einmal in der Lage, halbwegs ordentlich Xylophon zu spielen. In musikalischer Hinsicht bin ich ein Totalausfall. Aber dieser Traum, von dem ich Ihnen erzähle, war ein Vorgeschmack auf das Leben, das ich nie gehabt habe. Ich bin davon überzeugt, und zwar unumstößlich, dass es genau solche Träume waren, die Menschen in grauer Vorzeit dazu brachten, Knochen auszuhöhlen, um Melodien zu flöten, und Höhlenwände mit Pflanzenpigmenten zu bepinseln.
Dabei werden Sie den Kopf schütteln, wenn ich Ihnen erzähle, WAS diese Glücksgefühle in meiner Seele ausgelöst hat. In meinem Traum hielt ich einen Fisch an mich gedrückt. Ich lag auf einem Bett, in einem Hotelzimmer irgendwo im Süden (Reminiszenzen an einen Interrailtrip in meinen frühen Zwanzigern), vielleicht in Madrid, vielleicht in Lissabon, und drückte diesen verrückt bunten, tragisch schillernden Fisch an meine Brust.
Das war alles. Es war genug.
Schön. Und eine anderer Ton als sonst, wie mir scheint. Nur die Feststellung verwundert mich: Wann hat denn der Tag jemals gereicht?