Neulich, im Wirtshaus, nachdem der Sarg usw.

Januar 18th, 2011 § 1 Kommentar

Ich sagte zu ihm, dass meines Erachtens Bob Macha letztlich am Krebs des Selbstzweifels gestorben sei. Das sei meine Deutung. Bob hätte, von den Voraussetzungen her, ein gutes Leben führen können, sagte ich wörtlich, doch habe ihm dazu das Entscheidende gefehlt: das Zutrauen zu sich selbst. Ohne dieses Zutrauen, das freilich ein Geschenk von oben sei, gehe es nicht. Ohne dieses sei ein Leben schlicht und einfach nicht zu führen. (Ich war stark emotionalisiert.) Auf die Dauer habe das ständige sich Reiben an den eigenen Ansprüchen Bob zermürbt, ermüdet, aufgefressen.

Georg, der eine lange Bahnfahrt auf sich genommen hatte, um bei Bobs Beisetzung anwesend sein zu können, und die ganze Zeit über seinen Mantel nicht ablegte, reagierte skeptisch auf meine offenen Worte. Aus der Deckung seines hochgeklappten Kragens heraus schaute er mich an. Immerhin habe er ja nun jahrelang mit Macha zusammengearbeitet, „mit dem alten Bob“, wie er sagte, und wenn sicherlich an meiner These, dieser habe letztlich immer die Berechtigung seiner Existenz „zuinnerst bestritten“, auch einiges dran sei, dürfe man gleichwohl nicht übersehen, dass er aus diesem „ganzen entsetzlichen und quälenden Dilemma“, auf dem Felsen nämlich dem Geier zum Fraß vorgesetzt zu sein, doch auch seine hedonistischen Funken geschlagen habe!

Bob sei ein Wahnsinniger gewesen, ein Maniac, führte Georg aus, „je oller, je doller“, kaum mehr zu kontrollieren in den letzten Jahren, stets auf Achse, immer unterwegs, immer auf dem Sprung, „im fünften Gang auf der Autobahn, und ganz sicher nicht angeschnallt“.

Während er, Georg, es „in dieser Wahnsinnsbranche des Aufmerksamkeitsbrokerage“ geschafft habe, sich „Nischenplätze und Windschattenzonen“ zu suchen, in denen er zu sich kommen konnte und „den notwendigen Atem sammeln“, sei „totale Verausgabung“ Bobs Prinzip gewesen. Er sei da einfach „steuerungslos“ gewesen, am Ende „gar nicht mehr Herr der Ereignisse“, und das habe seine Gesundheit „schlicht und einfach ausgespült“. Schließlich habe er, Georg, es aufgeben müssen, den Freund zu stützen und zu schützen, und habe sich einen Job tief im Süden gesucht. Das sei auch, wie er jetzt leider sagen müsse, „definitiv“ die richtige, die „rettende“ Entscheidung gewesen! Denn trotz seiner „Bärennatur“ habe Bob zum Schluss ausgesehen „wie ein Huhn“, wie „eines dieser bemitleidenswerten Dioxinhühner“.

Ich sagte: Na ja, zahlte und ging.

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§ Eine Antwort auf Neulich, im Wirtshaus, nachdem der Sarg usw.

  • H. J. C. v. Grimmel-Sausen sagt:

    Postwurfsendungsmodernität

    - Aber guck doch mal, Bob, z. B. die „Sopranos“. Die Komplexität der Serie übertrifft diejenige von, sagen wir, „Starsky & Hutch“ doch bei weitem!
    - Ja, eben! Das ist doch Mist!

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