Hot Stuff

Januar 20th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

„Hey! Cool! Ist das Glas?“
Ich belehrte Georg darüber, dass es sich bei dem Material, aus dem sie mich reproduziert hatten, nicht um Glas, sondern um Eis handele. Natürlich hätte man auch ein anderes Material verwenden können, beispielsweise Panzerglas – allerdings wären die Schmerzen in Anbetracht der Schwere meiner Verletzungen zu gravierend gewesen. Außer in Eis habe eine andere Möglichkeit zur Rekonstruktion von Bob Macha nicht bestanden.
Das sah Georg natürlich ein. Und er handelte sofort. Er sprang zur Heizung und drehte sie ab. Dann sah er mich an.
„Aber das wird gar nicht reichen, oder? Du brauchst eher so was wie …“ Er überlegte. Dann: „Ein Kühlhaus?“
„Es wäre zweifelsohne von Vorteil“, sagte ich mit Blick auf meine schon feucht schimmernde Hand, „wenn ich mich in einer Umgebung mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt befände, ja.“ Ich stand auf. Mein Hintern hatte zwei feuchte Ovale auf der Sitzfläche des face2buns hinterlassen. „Und wir haben nicht mehr allzu viel Zeit, wie’s scheint.“
„Die erforderlichen Temperaturen halte dann aber ICH nicht aus. Da gehe ich ein!“ Georg zuckte bedauernd die Achseln.
„Das erwarte ich doch auch nicht von dir, alter Freund“, gab ich milde zurück. (Ich bildete mir jedenfalls ein, um einen milden Ton bemüht zu sein; in Wahrheit aber klang für meine kalten Ohren jeder Satz absolut gleich, als wäre ich ein Computer, dem man Klangsequenzen eingespeichert hat. Mir war’s aber auch total egal.) Ich packte meine Sachen ein, klappte den Laptop zusammen. „Ich werde mal bei der Kantine fragen. Die müssten doch eigentlich einen Gefrierraum haben, oder? Als Lager für verderbliche Waren? Für, sagen wir, Fleisch?“
„Bestimmt! Heute z. B. gibt’s Chili con carne.“
„Nichts für mich“, lachte ich, und Georg zuckte zusammen: „Natürlich. Wie dumm von mir! Du wirst dich wahrscheinlich von Eis ernähren?“
„Nein. Ich ernähre mich nur von Kälte.“
„Oh.“
„Ich bin“, fasste ich den Sachverhalt bündig zusammen, „eine Seele auf Eis.“
„Ist das“, Georg legte den Kopf schief und sah mich neugierig an, „mit Unsterblichkeit verbunden? Ich meine, solange du unter null Grad bleibst?“
„Das hoff ich doch! Für irgendwas muss das ja gut sein!“

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