04.48 Paranormal Activity
Januar 26th, 2011 § 2 Kommentare
- Georg?
In meinem Traum hatte ich gerade dieser hinreißenden Blondine den BH gelöst, als ich meinen Namen hörte. Ich war in Stimmung – endlich mal wieder, nach Monaten der inneren Dürre, und diese Blondine war auch heiß, ein echt nettes Mädel überdies, jung und wild und klug und hungrig, und was passiert? Jemand spricht mich in meinem eigenen Schlafzimmer von hinten an.
Die Stimme erkannte ich natürlich sofort.
- Bob? Was …
Es war dunkel, der Radiowecker, der mich jeden Morgen mit unerträglich guter Moderatorenlaune in die Welt der Zwecke zwang, zeigte an, dass es noch nicht einmal fünf Uhr war.
Bob Macha saß an meinem Bett.
Bob Macha war vor vier Monaten bei einem Flugzeugabsturz in den Anden umgekommen, auf der Suche nach der nächsten großen Story.
Etwas Kaltes und Feuchtes hielt mein Handgelenk umklammert. Ich riss meine Hand an mich, panikartig, als wäre etwas ungeheuer Wertvolles in Gefahr. Als hätte ich Angst, dass man mir meine Hand stehlen wollte.
- Sorry, sagte Bob. Ich wollte nur testen, ob du noch lebst.
- Bob, sagte ich, you are dead, aren’t you?*
- Well. Bob ließ sich irgendetwas genüsslich auf der Zunge zergehen. Irgendwie schon.
Ich setzte mich auf.
- Und wie geht’s dir, altes Haus?, fragte er. Möchtest du einen Martini?
- Ich hab nichts im Haus, sagte ich.
- Kein Problem. Ich hab meinen eigenen Martini dabei.
Ich warf einen Blick auf sein Glas. Es war halb durchsichtig – Gläser sind immer halb durchsichtig, ich weiß, aber es war auf andere Art und Weise halb durchsichtig; es war ebenso halb durchsichtig, wie Bob Macha halb durchsichtig war. Man konnte durch ihn hindurch sehen. Er war wie eine Projektion, wie ein Hologramm. Eine Ausgeburt meines strapazierten, verzweifelten Gehirns. Zu allem Überfluss erinnerte er mich vage an meinen Vater!
Um nicht in Panik zu geraten, fragte ich:
- Seit wann trinkst du überhaupt Martini? Du hast doch immer Bier getrunken!
Bob schaute traurig drein.
- Gibt’s hier drüben leider nicht.
- Wie ist es denn überhaupt da drüben so?, fragte ich. Ich meine, sonst ist alles okay?
- Na ja. Bob ließ Eiswürfel in seinem Glas klingeln – kleine zarte kalte Glöckchen, die zum Frühstück riefen. Passt schon. Hart ist nur, dass man dauernd den Leuten beim Sex zugucken muss.
- Muss man?
- Kein Grund, zu frohlocken, Georg! Das ist so ziemlich die schlimmste Strafe, die es gibt, wenn du Leuten beim Sex zugucken musst.
- Wieso? Ich lachte. Ist doch geil?
Bob sah mich an. Noch trauriger als zuvor. Ich fragte mich, wie traurig sein Blick noch werden konnte.
- Du hast offenbar noch niemals jemandem beim Sex zugeguckt?
- Ach, ich stell mir das ganz unterhaltsam vor. Darf man sich denn aussuchen, wem man zuguckt?
- Eben nicht, sagte Bob.
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* Funktioniert auf Deutsch halt nicht: „Du bist tot, bist du’s nicht?“ Und: „Du bist tot, oder?“ fanden wir irgendwie schmucklos – Bobs nicht würdig! Darum haben wir einen native speaker gebeten, den Text an dieser Stelle in lupenreines Oxford-Englisch zu übertragen! Der Idiot hat dann aber auch noch das folgende „Na ja“ in ein „Well“ übersetzt – das konnten wir vor Drucklegung nicht mehr korrigieren. So ein Mist! Wir entschuldigen uns in aller Form!
Danke für das neue Wort (Pataphysik)! Kannte ich nicht!
Um das auch einmal anzumerken: Ich finde das Blogozentriker Logo (also die Laokoon Gruppe) sehr passend, wie eine Visualisierung der Texte…