Der Geschmack von Zibetkatzen

Januar 27th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Was ich sah, war ein verschimmelnder Hamburger in einem Glaswürfel. Ein Hamburger auf einem Bett aus verdörrten Pommes Frites mit unappetitlich graugrünem Pelz, der wuchs und wuchs.
- Ein gewöhnlicher Hamburger?
- Wie Sie ihn in jedem Imbiss ums Eck kaufen können.
- Eine Ikone unserer Zeit.
- Das Werk trägt den Titel „Apoll“.
- Ist das ironisch?
- Natürlich, ja! Aber auch diagnostisch!

Wir befanden uns in Larry Gascoignes New Yorker Galerie, 422 West Broadway, im 2. Stock. Gascoigne hatte uns nach SoHo eingeladen, um über unser Projekt zu sprechen, und jetzt ließ er uns warten. Seine Angestellten machten lange Mienen. Er war kein einfacher Arbeitgeber – nicht umsonst nannte man ihn in der Branche „King Gaga“. Ein wesentlicher Bestandteil seines Mythos war seine Sprunghaftigkeit. Er müsse noch etwas erledigen, hatte er uns per SMS mitgeteilt, eine „Besorgung“ in einem Antiquariat.
Ein mausgraues Männchen mit dem Gesicht einer Hexe sagte uns, Gascoigne interessiere sich in letzter Zeit für die Kabbala. Justin Timberlake habe ihn darauf gebracht.
Robert Mattheis schüttelte den Kopf. Ein altes Buch kaufen, sagte er, in sein Notizheft kritzelnd, einfach so, aus heiterem Himmel. Wenn das nicht verrückt sei!
Helmut Frohl rückte seine Krawatte zurecht und schwieg.

Zum Glück kochten Larrys Angestellten einen guten Kaffee. Einen wirklich hervorragenden Kaffee, wie ich sagen muss.
Aschberg, der hohe Dichter mit der hellen Stimme und den finsteren Ansichten, setzte mir auseinander, dass es sich um Kopi Luwak handele, den teuersten Kaffee der Welt.
- Diese Sorte wird in Indonesien hergestellt, u. a. auf Java und Sumatra. Man kann aufgrund der speziellen Produktionsbedingungen im Jahr nur 230 Kilogramm davon herstellen – darum kostet so ein Tässchen umgerechnet fünf Euro. 300 Euro legt unser Larry pro Pfund auf den Tisch.
- Das ist es aber auch wert!, sagte ich euphorisch. Was ist denn an den Produktionsbedingungen so „speziell“, wie Sie sagen?
- Das Geheimnis dieser Bohnen ist, dass sie ausgeschissen werden.
- Bitte?
- Von den Zibetkatzen. Nicht Tibet-, sondern Zibet-. Zibetkatzen. Hochinteressant. Die wohnen auf diesen Inseln, klettern da in den Bäumen rum und fressen diese Kaffeebohnen. Sie können sie aber nicht verdauen und kacken sie hinten wieder raus, wo die Eingeborenen sie dann einsammeln! Irgendwelche Enzyme im Verdauungstrakt der Zibetkatzen sorgen für den prachtvollen Geschmack.
Ich blickte trostlos in meine Tasse.
- Keine Sorge, beruhigte mich Aschberg mit heiserem Lachen. Man zieht die Außenhaut ab, bevor man den inneren Kern röstet!

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