Hot Stuff
Januar 20th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
„Hey! Cool! Ist das Glas?“
Ich belehrte Georg darüber, dass es sich bei dem Material, aus dem sie mich reproduziert hatten, nicht um Glas, sondern um Eis handele. Natürlich hätte man auch ein anderes Material verwenden können, beispielsweise Panzerglas – allerdings wären die Schmerzen in Anbetracht der Schwere meiner Verletzungen zu gravierend gewesen. Außer in Eis habe eine andere Möglichkeit zur Rekonstruktion von Bob Macha nicht bestanden.
Das sah Georg natürlich ein. Und er handelte sofort. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Schließfach 1776
Januar 19th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- Es fing alles mit diesem Ding hier an …
- Wow. Ein iPhone 4!
- „Wow“? Dieses Höllending hat mich bis zum Hals in die Scheiße geritten!
- Mann, ich würd alles dafür geben. Ein iPhone 4! Ich würd meine Seele dafür …
- RED NICHT SO EINEN SCHEISS! Ich HAB meine Seele dafür gegeben, Georg!
- Was? Deine Seele? Das ist ja geradezu ein Schnäppchen! Welche Apps hast du denn da install …
Attila Berg packte Georg am Kragen und rammte ihn gegen die gekachelte Wand, direkt heben dem Papierhandtuchspender.
- Jetzt hör mir mal zu, zischte er, und das beseligte Lächeln schwand aus Georgs Gesicht. Hör mir GENAU zu! « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Der Bibliothekar von Brabbel
Januar 19th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Keiner hatte es mir zugetraut, und deshalb war ich auch so übermäßig froh, dann trotz allem doch noch ein Buch veröffentlicht zu haben … und dann? Dann stirbt mein Vater! Wenige Wochen vor der Veröffentlichung meines Erstlings. Als dieses Sorgenkind meines Geistes endlich das Licht der Welt erblickt, ist es eine Waise. Mein Vater ist tot, meine Mutter ein Pflegefall, vollkommen weggetreten. Sie erkennt mich nicht einmal mehr, lallt nur noch fröhlich bei meinem Anblick. Als gelte es, die Absurdität meines Lebens auf die Spitze zu treiben: Meine Mutter hält heute MICH für IHRE Mutter! Weißt du, was das bedeutet? Georg? Diese ganze Scheißarbeit, diese Schinderei, das Schreiben … jahreslanges Kritzeln in Kladden, das Ankämpfen gegen den Sog des Nichts, der schwachköpfige Trotz, das Durchhalten, das sich Aufschwingen auf den einflügeligen Pegasus – das hätte ich mir alles SCHENKEN können! Diese ganze ungeheure Zeitvergeudung! « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Neulich, im Wirtshaus, nachdem der Sarg usw.
Januar 18th, 2011 § 1 Kommentar
Ich sagte zu ihm, dass meines Erachtens Bob Macha letztlich am Krebs des Selbstzweifels gestorben sei. Das sei meine Deutung. Bob hätte, von den Voraussetzungen her, ein gutes Leben führen können, sagte ich wörtlich, doch habe ihm dazu das Entscheidende gefehlt: das Zutrauen zu sich selbst. Ohne dieses Zutrauen, das freilich ein Geschenk von oben sei, gehe es nicht. Ohne dieses sei ein Leben schlicht und einfach nicht zu führen. (Ich war stark emotionalisiert.) Auf die Dauer habe das ständige sich Reiben an den eigenen Ansprüchen Bob zermürbt, ermüdet, aufgefressen.
Georg, der eine lange Bahnfahrt auf sich genommen hatte, um bei Bobs Beisetzung anwesend sein zu können, und die ganze Zeit über seinen Mantel nicht ablegte, reagierte skeptisch auf meine offenen Worte. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Wo Sie jetzt schon mal eingeschaltet haben …
Januar 18th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Tag, Leute. Mein Name ist Hans. Und dieser Typ, den Sie da herumhetzen sehen, das ist mein Sohn. Der kleine Scheißer. Hält sich für was Besonderes. Will aller Welt seinen Mist verkaufen, die Menschen zu ihrem Glück zwingen. Er nennt das „Beratung“. Mach die Leute noch ein bisschen unglücklicher, bis ihr Schmerz irgendwann so groß ist, dass sie ihn nicht mehr spüren können, weil sie innerlich ohnmächtig geworden sind – und dann schick Ihnen die Rechnung.
So läuft’s doch, oder? Okay, ich bin ja schon froh und dankbar, dass er mich nicht in ein Heim abschiebt. Insofern ist mein Sohnemann ein Prachtexemplar von einem Menschen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Vornehmtuerton
Januar 18th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Bild: Wir sehen, wie jemand (weiblich) eine „Süddeutsche Zeitung“ auf einen Couchtisch legt, dann zum Fernseher geht und diesen anstellt. Die Titelseite der Zeitung zeigt ein Schwarzweißfoto von Bob Macha, wie aus einem Collegebuch, mit unbeholfenem Lächeln und puerilem Halbcharme. Darüber steht die Headline: „Gründer des Blogozentrikers nach Flugzeugabsturz in den Anden vermisst.“ Aus dem Off hören wir die Stimme eines Nachrichtensprechers: „… Suchaktion die grausam verstümmelte Leiche heute Mittag auf einem Felsvorsprung entdeckt. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Neulich, mit einem iPhone am Tresen …
Januar 17th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- Nein! Irre!
- Was denn? Was ist?
- Hier, was ich gerade lese …
- Erzähl.
- Wie schwer das schwerste Objekt im All ist! Unfassbar!
- So? Was ist das denn für ein Objekt? Ein Stern? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Seiten der Mattscheibe
Januar 16th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Meine Damen und Herren, schön, ich freue mich, dass Sie auch heute wieder eingeschaltet haben zu unserer Literatursendung „Kluge Köpfe, kluge Sätze“. Heute möchte ich mit Ihnen an einen ganz besonderen Ort gehen: ins Café „Meisengeige“ nämlich, in Nürnberg, wo James Joyce sitzt und Weißbier trinkt. Mr Joyce, Sie können ihn jetzt da drüben, auf der anderen Straßenseite, sehen, es ist der Herr mit den dunklen Sonnengläsern, er trinkt regelmäßig hier sein Weißbier und tut auch sonst nicht viel. Jedenfalls nichts Rechtes. Manchmal verbringt er ganze Nachmittage damit, fünf Wörter so lange auf dem Papier in seinem Kopf herumzudrehen, bis er zufrieden ist mit der Anordnung. Offenbar lässt er sich bei diesen avantgardistischen Übungen ziemlich viel Zeit, sonst müsste sein neuer Roman ja wohl langsam mal fertig sein!
Vierzehn Jahre und achtundzwanzig Autorenstipendien schreibt er jetzt schon an diesem sagenumwobenen Opus magnum, in dem es, dem Vernehmen nach, um den Krieg um Troja gehen soll. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Der Tag ist nicht genug
Januar 16th, 2011 § 1 Kommentar
In diesem Traum war ich glücklich. Vielleicht nicht vollkommen glücklich, nicht auf amerikanische, auf diese endgültige Hollywood-Art glücklich, aber doch glücklicher, als ich es in meinem wachen Leben je gewesen bin. Es gab keine Streicher auf der Tonspur, verstehen Sie mich nicht falsch, es ging alles ganz still vonstatten, aber innerlich jubilierte ich, innerlich spielte sich eine ganze Symphonie ab — mag sein, dass ein Komponist sich so fühlt, wenn ihm die Idee zu seinem unsterblichen Werk kommt, im Augenblick der konzentriertesten Inspiration.
Ich bin kein Komponist. Ich bin noch nicht einmal in der Lage, halbwegs ordentlich Xylophon zu spielen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »