Kritische Konsumenten
Januar 14th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
„Na, schau dir das an, Scheiße! Jetzt ist meine Hose schon wieder zerrissen! Diese scheißchinesische Billigware! Mann!“
Steffen Holzhaus* ist der klassische „Bobo“. Mit diesem Namen belegte der NYT-Kolumnist David Brooks Ende der 1990er Jahre eine gesellschaftliche Schicht, die „Reichtum und Rebellion“ ebenso unter einen Hut bringt wie „berufliche(n) Erfolg und eine nonkonformistische Haltung, das Denken der Hippies und den unternehmerische(n) Geist der Yuppies“ (Verlagstext).
Die niedliche Bezeichnung „Bobo“, Akronym von „Bourgeoise Bohemiens“, steht also für eine schwerverdauliche Mischung. Was macht man mit „angepassten Rebellen“, „besonnenen Tollhäuslern“ oder „vollgefressenen Hungerkünstlern“? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Sturm im Kristallpalast
Januar 14th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
In der „Jungen Welt“ sind heute Sätze zu lesen wie: „Das Streben nach einer besseren Welt wird auch in Zukunft zahllose Opfer fordern. In diesem Punkt gibt der Blogozentriker sich keinen Illusionen hin. Mehr noch: Dazu bekennen wir uns. Der Fortschritt stapft über Knochenberge dem Licht entgegen. Das war schon immer so, das ist ein Naturgesetz. Fürchten wir uns vor Naturgesetzen? Nehmen wir uns doch ein Beispiel an den Autobauern: Machen wir die rasante Fahrt ins Nichts jeden Tag ein bisschen sicherer! Es gilt, heute nicht weniger als gestern, beharrlich an der Verbesserung der Zustände zu arbeiten. Dabei dürfen keine Rücksichten genommen werden – weder solche des Blutes, noch solche geistiger Affinität, noch sonst welche. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Über-Durchschnittlichkeit
Januar 14th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
„Die meisten Leute sind solche Idioten, dass es kaum ein Kompliment ist zu sagen, einer liege über dem Durchschnitt.“
Aus „A Writer’s Notebook“ von W. Somerset Maugham, dem Autor, dessen „Keine Autobiographie“ das letzte Buch war, das Thomas Mann vor seinem Tode las. (Übersetzung: Bob Macha.)
Am Ende der Passage
Januar 13th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- Hey! Bob! Bist du das?
Im hintersten und finstersten Winkel der Kneipe hatte ich ihn entdeckt; ein reiner Zufall, war ich doch eigentlich auf der Suche nach Georg gewesen, den ich allerdings nirgends hatte entdecken können im „Jolly Old Fool“. (Ich erfuhr später, dass er, über einigen Headlines für Artikel in der Frühjahrsausgabe des Blogozentrikers brütend, eingeschlafen war. Er hatte unsere Verabredung schlicht verpennt.)
Dabei hatte ich Bob auf den ersten Blick nicht einmal erkannt. Ich war schon auf dem Rückweg zur Tür und knöpfte meinen Mantel wieder zu, als plötzlich etwas „klick“ in mir machte: „War das da eben nicht Bob Macha? Nur in Aufgeschwemmt?“ « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Selten beknackter Beitrag, selbst für den Blogozentriker …
Januar 13th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Er stand sich oft selbst im Weg, meist aber den anderen. Instinktiv machten Kinder einen Bogen um ihn, wenn sie ihm auf der Straße entgegenliefen. Auch Katzen, in dieser Hinsicht mit einem untrüglichen Instinkt ausgestattet, mieden seine Gesellschaft. Nur Hunde konnten seine unerträglich rüde, süffisante Art ertragen.
Dass er lange in den überseeischen Kolonien gelebt und dort die letzten Reste halbwegs zivilisierten Betragens in wilden Schlachten und wild durchwucherten Schluchten verloren hatte, mag von einigen von Ihnen als Entschuldigung akzeptiert werden; ich hielt ihn einfach nur für ein Arschloch. „Kinderstube“ hielt er für ein Umstandskleidungsgeschäft.
Er war eitel und uneinsichtig, dabei dämlich, arrogant, bei seinen Spekulationen an der Börse unverschämt erfolgreich und, das mag das Schlimmste von allem gewesen sein « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Neulich, auf der Agora, oder: Tò klátschon
Januar 13th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- In Syrakus sollen ja auch einige dubiose Dinge abgelaufen sein …
- Wer, der auf einem Königsthron sitzt, sieht schon ein, dass er besser Philosoph sein sollte? Oder seinen Platz für einen solchen räumen, o Freund? Das hört keiner gern, der an der Macht ist.
- Auch in seiner sogenannten „Akademie“ ist ja wohl nicht alles ganz koscher!
- Nun, wenn man einen Lehrer hat, der wegen Asebie und Verachtung für die Gesetze der Polis hingerichtet wird …
- … und wenn man vorzügliche Kontakte zu südländischen Tyrannen unterhält … « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Neulich, bei den Kommunarden …
Januar 12th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- Die Schweine werden nie was ändern. Nie!
- Nicht von sich aus.
- Warum sollten sie? Für die läuft’s doch prima.
- Du kannst sie abknallen, und nichts ändert sich bei denen.
- Die sind eh tot. Untote. Zombies.
- Vampire.
- Blutsaugende, also, blutsaugende Nachtschnecken.
- Blutsaugende Nachtschnecken? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Verdirbt Geld den Charakter?
Januar 12th, 2011 § 6 Kommentare
Ja.
Und damit können wir uns einem wichtigen Thema zuwenden: Warum blamieren sich die Intellektuellen, die Blatt- und Meinungsmacher so entsetzlich, sobald sie in den Social Media ganz ungefiltert herumtexten, ungeschützt durch Redaktion und Heftumschlag? Zwar hat jedes Platinfedervieh ein ganzes Rudel von Unterstützern hinter sich, die ihm den Arsch kratzen, auch wenn’s gar nicht juckt. Trotzdem ist nicht zu übersehen: Das Alphabetalphatier ist nackt! « Den Rest dieses Eintrags lesen »
73 Sekunden nach dem Start
Januar 11th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Aber nein, was denke ich denn … ich bin doch viel zu zaghaft und zu ängstlich, um diesen Larry Gascoigne wirklich anzurufen! Wenn er dran ginge — gar nicht auszudenken! Kein Wort brächte ich über die Lippen. Ich würde stottern und stammeln, und Gascoigne käme unvermeidlich zu dem Schluss: „Was ist das nur für ein Idiot, dieser Marcel Päderlein …“
Und doch, natürlich, war es eine verlockende Vorstellung. Je länger Marcel Päderlein sich ihr hingab (oder eher: sich gegen sie wehrte), desto verlockender und eingängiger wurde sie. In der Tat: Warum sollte er nicht Gebrauch machen von dieser einzigen wirklichen Chance, die das Schicksal ihm je gegeben hatte?
Sein Handy in der Faust haltend wie eine Henne im Leib ihr ungelegtes Ei, wanderte er seit einigen halben Stunden durch die Wohnung, immer wieder unterbrochen durch ein Nippen an seiner Teetasse. Wieder hielt er jetzt in der Küche inne und schaute durch die Küchentür in den Innenhof, in dem sich schon die Schatten sammelten. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie verschweigt.
Januar 11th, 2011 § 1 Kommentar
Im Mantel saß er an seinem Laptop, an dem klapprigen Tapeziertisch, der ihm als Schreibtisch diente. Der Ofen bollerte, aber es war aussichtslos; angesichts der Kälte, die sich in der zugigen Wohnung seit Wochen festgesetzt hatte, war nicht damit zu rechnen, dass er vor morgen Nachmittag die Stiefel würde ausziehen können. Seine Finger in den Handschuhen trafen die Tasten nicht richtig, stolperten verloren über die Buchstaben, bei jedem zweiten Versuch mehrere auf einmal hinhauend, was mehr als enervierend war, aber er hatte keine andere Wahl, er musste weitertippen. Wenn er seine Gedanken doch nur in Form griffiger Thesen oder einprägsamer Theorien hätte vortragen können! … Aber er hinterließ keine Thesen, keine Theorien, keine Lehrsätze, und darum war er auf diese zeitfressenden Umwege angewiesen. « Den Rest dieses Eintrags lesen »