Me & FISTopheles
Februar 4th, 2011 § 4 Kommentare
- Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei und auch den ganzen andern Scheiß … durchaus studiert. Mit heißem Bemühn. Und warum?
- Weil du wissen wolltest, was die Welt im Innersten zusammenhält?
- Unsinn!
- So? Warum denn?
- Weil ich einen Roman schreiben wollte! Und ich hatte diese wirklich irre, irrige Vorstellung, dass ein Roman die Welt enthalten müsse.
- Ein Roman? Die Welt? Wie soll ich mir das …
- Wie eine Scherbe, etwa die Scherbe eines zersprungenen Krugs, einen ganzen Raum spiegeln kann, wenn auch in perspektivischer Verzerrung. So, bildete ich mir ein, könne, nein, MÜSSE ein Roman die Gesamtheit des menschlichen Seins zurückwerfen ins Auge des (geblendeten) Betrachters.
- Also, so ein Quatsch! Haha! Wie kommt man denn auf so was?
- Nun, ich …
- Ein Roman soll die Kalamitäten des Alltags auf eine sprachlich möglichst angenehme, moralisch annehmbare, dabei aber mit einer großspurig-urbanen Schockigkeit überzuckerte Art und Weise darstellen. Abgebrüht, aber sentimental. Dem Menschlichen sehr zugeneigt, dabei allerdings auch schon mal ein längeres Schaumbad in Betracht ziehend …
- Ach, du … du Spötter! Ich habe an die Romankunst geglaubt! Die Gegenwelt! Du hingegen, du glaubst an gar nichts.
- Noch nicht einmal an Gegenwelten.
- Eben.
- Ja, ich fänd diese Rolle auch schrecklich … wenn der Spötter nicht am Ende immer Recht behielte!
- Mag sein, er behält Recht! Aber welchen Preis zahlt er dafür?
- Dramatisier doch bitte nicht so! Was du mir als Zynismus ankreidest, hält jeder Biologe noch für sentimentales Gewäsch. Die Evolution, mein Freund, kennt kein Erbarmen, weil sie nur eine Methode kennt: das Leben foltern, bis es die Folterungen überleben kann!
- Das, muss ich sagen, ist nicht human.
- Nein. Natürlich nicht. Das ist biologisch.
- Was verstehst du denn von Biologie?
- Nichts. Ich weiß nur so viel von Biologie, wie ich brauche, um die Folterungen von Mutter Natur zu überstehen.
- Apropos. Hast du Gretchen meinen Brief übergeben?
- Ja.
- Und?
- Sie wird da sein.
- Mit einer roten Rose?
- Die du knicken kannst, ja.
- Meinst du … meinst du, sie ist noch Jungfrau?
- Find’s heraus.
- Ja, aber … was meinst du?
- Ich meine, dass sie gar zu anmutig die Äuglein niederschlägt.
- Also Jungfrau?
- Bums sie richtig durch, Faust. Bis dann!
Ein Roman muss, ich wage es kaum auszusprechen, die Welt enthalten? Nicht eher die seines Schöpfers? Das wäre schon um ein vielfaches erträglicher.
Mir wäre halt DIE Welt lieber gewesen als meine eigene. Weshalb das so war – in diesem Punkte muss ich mich auf den psychologischen Takt meines Lesers verlassen.
Aber die Welt, wäre das überhaupt noch Literatur?
Das ist natürlich vollkommen irre! Schon das Konzept! Aber was sagt es über einen Geist aus, wenn er glaubt, er müsse Spiegel der Welt sein? Auf gewisse widernatürliche Art ist das ja auch ein Konzept von Reinheit …