Worte werden wie Steine sein
Februar 5th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- Eigentlich, sagte Bob Macha, bin ich ja Schauspieler. Aber das Blattmachen ist immer schon meine Leidenschaft gewesen!
Barack Obama wischte sich über die Stirn. Dass seine Popularitätswerte in der Heimat Loopings flogen wie ein Kunstflieger auf LSD, war schon schlimm genug. Aber eben hatte er noch eine SMS von seinem brillanten Redenschreiber erhalten: “Dear Barack, I just found out, dass ich erst 25 Jahre alt bin. Mein Gott, mein Leben liegt noch vor mir! Ich glaube, es wird Zeit, dass ich damit beginne, es zu leben. Ich will nicht mehr den ganzen Tag in einer Kevlar-Weste herumlaufen. Ich will auch einmal, wenn ich alt bin und auf der Veranda meiner Ranch sitze, eine Frau in den Arm genommen haben” usw.
Der Präsident schaute zu seiner Frau hinüber. Michelle war wunderschön und frisch wie am ersten Tag. Sie plauderte mit Kai Diekmann, der ein Revolverblatt in Berlin herausgab und auch aussah wie einer, der ein Revolverblatt in Berlin herausgab! Was die Besetzung von Rollen anging, hatten die Deutschen einiges von ihren ehemaligen Besatzern aus Übersee gelernt, dachte der Präsident zufrieden. Sollte er wirklich eines Tages in den Genuss der Allmacht kommen, wie seine Rivalen im Kreml es ja seit Jahren schon fürchteten, und sollte er neben seiner Regierungstätigkeit und der internationalen Schurkensuche die Zeit für eine gründliche Revision der menschlichen Art finden — für den Rippenpart nähme er auf jeden Fall seine Gattin als role model.
Irgendwie konnte er seinen Redenschreiber ja auch verstehen. Immer nur Ideale promoten — auf die Dauer war das schrecklich öde.
- Natürlich, drei Leser, das erscheint erst mal nicht allzu viel, plapperte derweil Bob Macha. Sie werden sagen, Mr President: “Ich hab ja schon drei Millionen Leser, wenn ich ein Fax verschicke.” Sehr gut! Punkt für Sie.
Barack Obama lächelte. Bob Macha fiel gar nicht auf, dass der Dolmetscher seit einigen Minuten nur noch mit geschlossenem Mund dabei saß und kein Wort mehr übersetzte. In dem, was von seinem Gehirn noch übrig war, dachte sich Bob Macha vermutlich: “Ah, jetzt hat Obama sich eingehört!” Er sagte:
- Aber ich bin doch fest davon überzeugt, und zwar felsenfest, dass unsere Arbeit für diese drei Leser außerordentlich wichtig ist! Mag sein, sie hat etwas Manisches. Wir publizieren zu viel. Wir schreiben uns manchmal in einen Rausch, und dann denkt der Leser: “Ah, jetzt ist er wieder besoffen! Das les ich nicht.” Wir haben sicherlich auch viel zu wenig Meinung, von Ahnung ganz zu schweigen, weil die Welt uns natürlich genauso ein Rätsel ist wie allen anderen. Was jetzt z. B. in Kairo passiert. Wer erklärt uns das? Nein, der Weltgeist hat den Überforderungsgang eingelegt und zieht auf der Überholspur an allen Prognostikern vorbei! Gleichwohl, Mr President –
Bob Macha holte tief Luft.
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