Indianer-Horst
März 17th, 2011 § 2 Kommentare
Mit speziellem Dank in Richtung Berlin
Ich bin denen doch allen geistig HAUSHOCH überlegen!
Ich drehte mir in Ruhe meinen Joint, während Indianer-Horst tobte. Er brüllte sich die Stimme heiser, aber daran bin ich gewöhnt. Das bringt mich nicht aus dem Konzept. Passen Sie auf. Erst mal ist wichtig, dass Sie sich guten Dope besorgen. Das ist das A und O. Ohne die passende Grundlage kann Ihr ganzer Rausch nichts werden. Brauchen Sie ne gute Adresse? Diskret und immer erste Wahl? Ich kenn die besten Lieferanten in Berlin. Stadtteilspezifisch. Schreiben Sie mich einfach an, kein Problem.
Als Nächstes müssen Sie die richtige Menge verwenden … viele Dilettanten bauen seit 15 Jahren und länger Joints, und sie vermurksen es immer noch. (Ich übertreibe. Aber Sie wissen, was ich meine.)
Ich sagte: Horst, Mann, beruhig dich! Das ist doch nur so ne Blog-Scheiße. Ich meine, Postmoderne, was soll’s? Vielleicht gibt’s die Postmoderne, vielleicht gibt’s auch bloß nen Haufen unbedrucktes Papier. Vielleicht gibt’s aus bloß nen feuchten Furz!
Ja, klar, aber hör mal. Was die hier für nen Quatsch verzapfen: „Vielleicht gelingt das Erzählen ja noch, nur das Zuhören nicht mehr?” Das schreibt da so ein Kaffer. Ich meine, wenn das Erzählen gelingt, das Zuhören aber nicht … also, wenn ein Erzähler … Sag mal, hörst du zu, Ochse? Hörst du mir eigentlich zu?
Ja, ja, knurrte ich.
Jedenfalls, dann gelingt doch auch das Erzählen nicht, oder? Was ist denn das für ne Scheiße? So verdreht kann man doch gar nicht denken, wenn man nicht voll im Arsch ist!
Horst wirkte wirklich, als wäre er mit den Nerven fertig. Ich schaute ihn mir an. Ich ließ das Feuerzeug anspringen und schaute Horst an. Horst lief auf und ab, Horst ging pissen, Horst kehrte zurück und haute mit beiden Fäusten auf seine scheiß Tastatur. Er brüllte irgendwas. Meine Feuerzeugflamme leckte unterdessen schön am Piece entlang. Lasziv.
Mach dir das Leben doch nicht so schwer, sagte ich ruhig.
Ja, Fuck! Fuck! Schwer!
Was bistn so in Rage?
Kotzt mich halt an! Ochse, willstn Bier?
Versorg mich grad anderweitig, sagte ich.
Horst schaute mich an.
Grins nich so dämlich.
Lasses nich an mir aus, Indianer, sagte ich. Ich ließ die Flamme meines Feuerzeugs einschnappen. Was bistn so aggro drauf?
Weil die …
Horst machte seinem Spitznamen, „Indianer“, alle Ehre. Die waren sicher alle genau solche Idioten wie er gewesen! Wie sonst hätten sie als Hochkultur innerhalb von Monaten untergehen können? Der kleinste Schluck Alk setzte ihr Gehirn in Brand.
Er sagte: Dann führt da einer die künstliche Unterscheidung von „Information“ und „Pseudo-Information“ ein.
Künstlich, ja, sagte ich.
Das is für mich nur pseudointellektuelles Getue.
Ist doch klar.
Ich meine, das hat auf der „Makulatur“-Seite wahrlich nichts verloren! Horst zog sich das Hemd aus und zeigte seinen Bodybuilder-Oberkörper. Alle Achtung. Er machte jeden Tag etwa 200 Liegestütze, und jeden davon sah man jetzt. Interessiert dich, was ich geschrieben habe?
Klar, sagte ich und leckte das Paper an.
„Generell werden hier die Sätze rar, in denen es nicht nur so wimmelt von Tipp-, Denk- und Grammatikfehlern“, las Indianer-Horst mir vor. „Eine Schlamperei auf allen Ebenen! Dafür wird hochgehalten eine banale Dünkelhaftigkeit, die es beispielsweise für unzumutbar hält, ein Konzept wie die Postmoderne, das ja immerhin ein maßgeblicher Vordenker wie Eco vehement vertreten hat, ernst zu nehmen.“
Das ist fein, sagte ich.
„Es ist schade, wie dieses Blog sein Niveau verliert. Wie ein Luftballon, den man am Zipfel unten mit der Nadel angestochen hat.“
Find ich gut, sagte ich zusammenfassend. Klingt echt ganz geil. Aber was soll das mit Eco? Ich meine, Eco, du meinst doch Umberto Eco? Der is doch “a thing of the past”!
Meinst du?
Vielleicht, sagte ich, und ich inhalierte endlich, ist das auch das Problem
bei der ganzen Chose.
Scheiße?
Chose!
Ach, so.
Eco, Postmoderne — das war halt in den Neunzigern chic. Heute kann sich kaum
mehr einer dran erinnern.
Ja, schrie Indianer-Horst, weil wir halt mittendrin leben!
Ich exhalierte.
Mag sein.
Wie findeste denn den letzten Satz? „Traurig mitanzuschauen“?
Das is der letzte Satz?
Ja.
Der is konzis.
Bin interessiert. Wie war noch gleich die Addresse?
Irgendwo in der Korsörer Straße, Prenzlberg. Sorry, war leider schon mega verstrahlt! Am besten einfach “Blogo” brüllen, einmal die Straße rauf und runter. Ein Fenster wird sich schon auftun …