Textmaschinenparkbesitzermesse
März 18th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Will davon nichts wissen.
Schick ihm einfach den Vertrag zu, er wird dann schon …
Wohin? Der Typ hat keine Webseite.
… in irgendeiner Weise reagieren, wirst sehen, dass er angekrochen … wie? Keine Webseite?
Nicht mal n Handy hat er, laut seinem Verlag, sagte Don Alfonso, der Hausmeister, der uns, seit es mit dem Blogozentriker wirtschaftlich bergab ging, auch auf dem Gebiet der Recherche unterstützte. Früher hatte er nur in seinem Kabuff gesessen und mit seiner Schrotflinte auf Besucher gezielt. Viel zu tun hatte er nicht gehabt.
Nur n kleiner Vortrag, Bob Macha hob seine Stimme, die von glockenhellem Klang war, seit sie ihn aus dem Blech von Weihnachtsengeln rekonstruiert hatten. Das kann doch nicht so schwer sein! Ich meine, der Typ is n Schriftsteller, der muss doch von irgendwas leben!
Stipendien hat er jedenfalls noch keine bekommen, sagte Don Alfonso und spuckte aus.
Don Alfonso saß auf seinem Ledersattel, den er auf einen umgekippten Holzstuhl gelegt hatte. Er sagte, er trage in seinen Lenden, in seinem Arsch immer noch das sanfte Schaukeln seiner mexikanischen Vorfahren, die an der Grenze entlang geritten seien in bitterer Armut. Darum bevorzuge er es, auf einem Sattel zu sitzen.
Bettelarm, knurrte Bob Macha, und stolz wie ein König! Ich könnte …
Er ballte die Fäuste, was sofort zu Deformationen seiner Blechhändchen führte. Einige Tage hatte er sich über das dünne, brüchige Material aufgeregt, hatte uns angeschrien, warum wir ihn nicht gleich aus Scheiße hätten wiedererschaffen lassen? Dann, gestern Abend erst, hatte er sich allmählich beruhigt. Hatte sich in sein Schicksal gefügt. Wenn er auf die Toilette ging, gab es ein leises Bimmeln im Flur. Wir alle mussten an unseren Macs grinsen, aber natürlich sprachen wir nicht drüber. Wir taten vielmehr so, als bimmelten wir alle leise in uns hinein, wenn wir pinkeln gingen.
Warum sind die echten Schriftsteller eigentlich alle so störrische Hunde?, erhob Bob Macha seine glockenhell klingklangklingende Stimme. Er hätte singen sollen, stattdessen sagte er: Warum können die nicht so korrupt sein wie das Dreckspack, das hierzulande die Bestseller schreibt? Wieso, er wäre am liebsten aufgesprungen, aber eine Delle in seinem Oberschenkel hielt ihn zurück, wieso muss sich ein idiotisches Land wie die USA den Luxus echter, großer, bedeutender Dichter leisten, die einfach für ein Interview nicht zur Verfügung stehen, keine Eintagsfliegenartikel zu Atomkatastrophen oder Trainerwechseln schreiben und auf das Angebot, sich durch einen kleinen Vortrag im Goethe-Institut bei der widerlichen Kritikerzunft lieb Kind zu machen, spucken?