Verunglückung einer Skizze
April 4th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Man glaubt es kaum, doch von der vollständigen Überflüssigkeit seiner Existenz seine Umwelt zu überzeugen, war für Robbo von Saalfeldt die allerleichteste Übung. Das ging von allein. Ein Air von Nutzlosigkeit umgab unseren Antihelden wie etwa einen Pariser Modemacher der Duft eines sündhaft teuren Parfüms, mit dem er sich aus Prestigegründen in regelmäßigen, den Anlässen angemessenen Abständen einsprüht. Doch Robbos Eigenschaftslosigkeit war angeboren, nicht antrainiert. Bei manchem Zeitgenossen rief die von Saalfeldt’sche Qualität, unverkennbar eine quantité négligeable zu sein, ein ärgerliches oder verzweifeltes Stirnrunzeln hervor. Ging er etwa in einer Hotellobby ganz arglos an einer mit Managern und anderen Entscheidungsträgern voll geramschten Sitzecke vorbei, konnte man sicher sein, dass funkelnde Augenpaare ihm folgten, wie am Schnürchen gezogen oder wie von selbst. Robbo war eine Lücke, wenn man so will. Eine notwendige, aber eben auch total nutzlose Lücke. Etwas, das juckt. In den Augen, auf der Netzhaut, auf der Hirnrinde. An Stellen, da man sich nicht gut reiben kann. Man rieb sich dafür unablässig an Robbo, weil er nicht da war. Weil er sich entzog wie ein Schatten, den man zu überhüpfen versucht. Er wies einen darauf hin, dass man da war, pappte einem das Etikett auf die Stirn: „Und du? Könnte man auf dich nicht auch ganz gut verzichten, mein Freund?“ Ihm wär’s lieber gewesen, es wäre anders gewesen, aber es war, wie es war.