Droge Faust Internet
April 11th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- Aber nein! Er hat ausschließlich unpolitische Songs gespielt.
- Okay, aber BEYOND HERE LIES NOTHING in Vietnam? In Ho-Chi-Minh-Stadt? Ob das so unpolitisch ist? Ich weiß ja nicht!
- BLOWIN’ IN THE WIND, das wär ein Statement gewesen! Aber IT AIN’T ME, BABE? Na!
- Ist dir eigentlich kalt? Ist es zu kalt hier drin?
- Mir? Nein. Wieso?
- Weil du nen Schal trägst.
- Ach so, nee, das …
- Und was ist mit GONNA CHANGE MY WAY OF THINKING als Opener? Ich find das schon sehr deutlich!
- Ihr immer mit euren Bob-Dylan-Setlists … das macht einen ja WAHNSINNIG!
- Ja, lasst uns mal das Thema wechseln.
- Ich sag nur: THE LEVEE’S GONNA BREAK! Mehr muss ich wohl nicht sagen …
- Dir ist wirklich nicht kalt, ja? Ich meine, nicht dass du dich erkältest …
- Ich weiß gar nicht, ob ihr das wusstet: Heroin wurde ursprünglich ja entwickelt, weil man eine Ersatzdroge fürs Morphium schaffen wollte. Mit diesem Wundermittel sollten im Ersten Weltkrieg verwundete Soldaten versorgt werden. Man wollte sie von unerträglichen Schmerzen befreien können, ohne sie in die Abgründe der Morphiumsucht stürzen zu müssen.
- Ist das so? Das ist ja eine irre Geschichte!
- Hab ich mal gelesen.
- Daher könnte auch der Name kommen. „Heroin“, von „Heros“, der Held.
- Yep. Leuchtet ein.
- Ich kenn dieselbe Geschichte aber vom Kokain.
- Komisch.
- Der Krieg ist halt der Vater aller Dinge. Das gilt auch pharmazeutisch.
- Das Internet ist ja ebenfalls militärischen Ursprungs.
- Stimmt, eigentlich müsste es ARPANET heißen.
- Wie ja auch die Helme der Feuerwehrmänner. Die haben ganz klar die Form von Wehrmachtshelmen. Das erkennt jedes Kind. Hinten hat man nur Gummischirme dran montiert. Ansonsten sind das Wehrmachtshelme.
- Darüber müsste man eigentlich mal was schreiben! Die Geburt der Feuerwehrbehelmung aus dem Totalen Luftkrieg. Wer schreibt das? Marc?
- Das Internet, das hab ich gestern noch mit Bob (Macha, d. Red.) besprochen, das ist ja, wenn man’s recht bedenkt, in Real-Form und Echt-Zeit, was Balzac mit seiner „Menschlichen Komödie“ in fictionibus schaffen wollte. Der Welt-Roman.
- Umfassend, sagte der Wichtigtuer, seinen Schal enger zurrend um den dürren Hals.
- Stellt sich die Frage, rief da Nettie Moore: Wer ist der Autor?
- Das Internet hat keinen Autor.
- Doch! Den Zufall!
Gemurmel.
- Wir alle sind die Autoren.
- Jeder schreibt in seiner Zelle, auf seiner Parzelle am panoramatischen Epos der Gegenwart mit.
- Hä?
- Das, äußerte der Wichtigtuer, den Schal nochmals enger zerrend und sich räuspernd dabei, hab ich jetzt ein bisschen extemporiert.
Der Praktikant, der bisher der Redaktionskonferenz still gefolgt war, fasste sich endlich ein Herz und fragte:
- Aber sagt mal. War das nicht Dante, der mit der „Menschlichen Komödie“?