Ein letztes Mal nur
April 22nd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Das Bedürfnis nach Gefühl war da, natürlich. Aber die Räume gab es nicht, in denen ein aufrichtiges Gefühl sich hätte einnisten können, oder ein Gedanke. Emotional lebte er aus dem Koffer. Er wusste zwar, er hatte geliebt. Aber. Was ihn innerlich zusammenhielt, waren Punkte. Kommata schon waren ein Luxus, ein Fest. Mit ihnen konnte man kaum rechnen. In ihm schien alles versperrt, eingeengt, zugemüllt mit Erinnerungen. Als hätte jemand die Festplatte seines Herzens mit einem Virus beschädigt. Die Bilder erschienen ihm nicht, sie schienen ihm eine zu große Last, die er als Druck spürte. Sie waren blind, diese Bilder, aber schwer. Schwere Speicherlast. Früher hatten sie ihn getragen. Ihn machte das fast wahnsinnig. Die Lust, in sich hineinzugreifen und die verdammten Bilder herauszuzerren, war überwältigend. Überwältigend war aber auch die Ahnung, dass er ins Leere greifen würde. Er litt. Hineingreifen in dieses tosende Innen, dachte er, stolpernd, und alles da haben — die Vergangenheit, den Rausch, die Liebe. Ein Verhältnis zur Welt. Doch es war wie ein Fluch. Zum Verzweifeln. Man hatte ihn entkernt. Was blieb, waren Schatten auf seiner Schädeldecke. Höhlenzeichnungen im Seeleninnenraum. Unentzifferbar.