Kann keiner Friege etwas zu Leide tun
April 26th, 2011 § 1 Kommentar
Er erschrak vor sich selbst, als ihm klar wurde, wie viel Zeit er auf eine einzige lumpige Schlagzeile verschwendet hatte. Er schaute auf das Ziffernblatt auf seinem Handy – und traute seinen Augen nicht: War denn wirklich schon Ostern vorbei? Aber er hatte doch eben erst von Nettie Moore dieses Schoko-Ei … schnell legte er die ovale Süßware wieder auf seinen Schreibtisch, den dünnen Schimmelpelz zwischen seinen Fingern zerreibend.
Was war denn passiert?
Er las die Schlagzeile noch einmal, die er sich abgerungen hatte: KANN KEINER FRIEGE ETWAS ZU LEIDE TUN.
Hä?
Die Gedanken, die ihn zu diesem jetzt verloschenen Geistesblitz geführt hatten, waren für ihn nicht mehr nachvollziehbar. Im Ansatz nicht!
Bob Macha sprang auf, stieß den face2buns zurück, stieß ihn gegen die Heizung, von der das Möbel mit müdem Nicken zurückpolterte. Mit der Hand wischte der Textchef sich über die Stirn. Ja, sag mal, dachte er. Litt er denn an Hirnerweichung?
Was Tatsache war: Aus seinem unmittelbaren Umfeld empfing Bob Macha keine Impulse mehr; für Inspiration musste er weiter ausgreifen. Früher hatte er Bücher gelesen, jetzt ließ er die Seele baumeln, weil das Bücherlesen ihm zu beschwerlich geworden war. Aber wo baumelte seine Seele jetzt? Sie schien weggebaumelt. Er spürte sie nicht mehr. Sie war verteilt über all diese leeren Kubikmeter, die sich durch die weitläufigen Räumlichkeiten des Blogozentrikers stapelten, sinnlos und immer mehr, mehr, mehr … als hätte er ein Stück Zucker in den Atlantik geworfen, so war’s mit seiner Seele … Doch, doch, der Gedanke, seine Seele irgendwo verloren zu haben, beunruhigte ihn.
- Hallo?, rief er zaghaft in das Schweigen der verödeten Büros.
Keine Antwort.
Eine Handy mit Ziffernblatt, dass wäre doch mal was!
(Siehe auch: http://markethings.files.wordpress.com/2009/02/steampunk2.jpg)