Idiotenströme
April 27th, 2011 § 2 Kommentare
Philosophie – das Wort setzt sich bekanntlich aus den altgriechischen Wörtern „Freund“ („philos“) und „Weisheit“ („sophia“) zusammen. Man könnte das interpretieren als: „Freund der Weisheit“ – das passte zum landläufigen Verständnis des Philosophen als des Thekendenkers, der in sich eine Abgespanntheit gezüchtet hat, die alles und jedes schluckt und am Ende nur ein: „Na, so geht’s dahin, sic transit mundi“ rausrülpst. Die andere Interpretation geht von einem Gedanken aus, den Paul Valéry formuliert hat: „Allein ist ein Mensch immer in schlechter Gesellschaft.“ Mein Vorschlag: Meint „Philosophie“ vielleicht, dass man ein Philosoph nur sein kann, wenn man von einem Freund auf dem Weg zur Weisheit – oder um diese herum, was wahrscheinlicher ist – begleitet wird? Wenn man nicht sich in seinem serienmäßigen Volksfreundautismus verkriecht und sich von den Idiotenströmen der Karrieren, Mediennetze und Nachrichtengeneratoren mitschleifen lässt, sondern sich in Freundschaft verankert. Jemanden an seiner Seite weiß – oder an seine Seite holt –, der mit einem zusammen in ein Unfassliches eintaucht – ins Ertragenkönnen noch des Absurdesten. Das wäre die wahre Philosophie. Jene tiefe, klare Gemütsruhe, die einem das Bewusstsein schenkt, nicht allein zu sein.
Schön gesagt. Mein Versuch:
“Philosoph sein” heißt: Einen Freund haben, welchen man ohne Scham “WARUM” fragen kann und mit dem gemeinsam eine erhellende Antwort gefunden wird.
Ich dachte immer “Liebe zur Weisheit” (was dann immer gleich als Beleg für die Demut der Philosophen her halten musste).
„Allein ist ein Mensch immer in schlechter Gesellschaft.“ Schön pointiert, aber irgendjemand – leider weiß ich nicht mehr wer – sagt es genau anders herum, dass nämlich der Mensch in der Masse widerwärtig wäre. Kleine Grüppchen also, maximal.
Ja, dieses nicht allein sein, ist manchmal überwältigend – ja nicht zur Gewohnheit werden lassen, sonst ist es vorbei damit (ich meine: Das Bewustsein als solches erhalten)!