Ein kurzer Traum aus Terrakotta …
April 14th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Ariadne biss in ihr Kissen, bis die Kiefergelenke knackten. Die Bilder in ihrem Kopf, sie konnte sie einfach nicht abschütteln. Selbst Wein half nicht, nicht einmal der süße, rote, aus goldenen Schalen getrunkene. Von fahlen Schatten gehetzt durch unterirdische Labyrinthe – das war ihre Seele seit Stunden. Verzweiflung und Euphorie trieben sie auf starken Wellen, drückten sie dem Himmel entgegen und peitschten sie hinab in ein Höllenreich. Ein schaudernder Ritt auf einer Rasiermesserklinge.
Was Ariadne würgte, war ihr Ehrgeiz. Diesem alles zum Opfer zu bringen, zuvörderst die Vernunft, war sie fest entschlossen. Sie würde notfalls auch ihr Leben drangeben. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Palpation für Gloria Swanson
April 14th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Vielleicht, freilich, war es auch nur der Blick in die Speisekarte gewesen? Was auch immer es war, es war fürchterlich! Schon merkwürdig, dachte Bob, dass man in eine Speisekarte gucken und danach dann in einer anderen Welt auftauchen kann! In einer fremden, befremdenden, erschreckenden, grauenerregenden, ganz und gar unerträglichen, unaushaltbaren Welt!
Bob glotzte. Zeit verging.
War es denn, und dieser plötzlich aus den unteren Regionen seines Gehirns reflexartig aufzuckende Gedanke entzückte ihn, weil er Rettung verhieß (möglicherweise), war’s denn wohl möglich, den Prozess auch umzukehren? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Martin
April 13th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Dass er sich das nie trauen würde, der Martin, hatte Malte gesagt, und hämisch hatte es geklungen. Tatsächlich war Martin nie als Held in Erscheinung getreten. Sich jetzt von einer Felsenklippe in der Fränkischen Schweiz in die Tiefe zu stürzen, getragen nur von wenigen Quadratmetern dünnem, gelbem Stoff – diese Aussicht behagte ihm gar nicht. Er sah sich noch vor seinem Bier sitzen, einem Schwarzbier, und düster vor sich hin starren. Brütend. Wütend, weil Malte ihn demütigte vor seiner Freundin, indem er ihn als feige verspottete. Clara war Tänzerin, sie schlug sich mit Projekten für den Nachwuchs durch, Schulprojekten, weil an der Kunst des Tanzens niemandem mehr gelegen war, jedenfalls nicht in so einem Kaff wie Alblingen. In Alblingen schwärmte man von Kultur, aber man ging nicht hin. Auch Clara brauchte also Mut für ihren Beruf, wie Malte, der Regisseur war. Theaterregisseur. Nicht übermäßig erfolgreich, aber er hielt sich immer knapp über Wasser, das doch, er kam ein ums andere Mal geradeso durch. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Nur das Unvollendete kann begriffen werden
April 13th, 2011 § 1 Kommentar
Martin und Martin sind Freunde. Sie haben in Berlin eine Zeitlang zusammen einen Club geleitet, das PLEMPLEM. Der eine nannte sich Matte und der andere gab sich den Spitznamen Von, weil der eine Martin Matthans hieß und der andere Martin von Büchteshagen. Sie wollten auf keinen Fall als Martin & Martin durch die Welt gehen, das hätten sie als lächerlich empfunden. Gleichwohl waren sie wie Brüder. Sie teilten alles, die Wohnung, den Wein, die Musik. Und für ein paar Wochen sogar eine Frau, auch wenn sie das gar nicht wussten. Das war damals Hilde. Hilde aus Oldenburg. Hilde war ein Kumpel, immer für einen Spaß zu haben, sehr blond, wenn auch mit schwarz gefärbten Haaren, angestellt als Kontakterin in einer Eventagentur, und insofern löste sich die ganze Sache in wohlgefälligem Gelächter auf. Dann aber verliebte sich Matte. Unsterblich.
Ernsthaft. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Kann keine Mauer sein
April 13th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- Ich bin so wütend!
- Klar.
- Guido Knopp. Ausgerechnet Guido Knopp! Ich bin so wütend. Ich könnte kotzen! Was versteht der denn von Kultur, der Fatzke? Die Fratze?
- Du bist ja auch Theaterdichter, da ist doch Empörung quasi dein …
- Sag nicht „Dichter“, du Arsch!
- … Handwerkszeug. Okay. Schriftsteller? Wäre das besser?
- Schriftsteller? Willst du mich verarschen? SCHRIFTSTELLER? Wie Simenon? « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Kalte Schulter, heißes Herz
April 12th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Wenn eine stolze Frau beleidigt ist, so wird sie unnahbar. Sie entzieht uns dann ihre Zuneigung, und noch die zartesten Gunstbezeigungen erwarten wir von ihr vergebens. Sie zieht sich vollkommen von uns zurück. Das einzige, was eine stolze Frau in ihrer Gekränktheit uns zeigt, ist die kalte Schulter. Die Eisschicht, unter der das Feuer ihrer tiefen Leidenschaften in unbekannter Heftigkeit lodert, verdichtet und verdickt sich bis zur Undurchsichtigkeit, als gelte es, das Lodern jener Flammen mit aller Macht zu bewahren.
All das ist sattsam bekannt. Doch warum, fragte ich mich, war diese spezielle stolze Frau beleidigt? Ich hatte ihr doch nichts getan!
- Warten Sie, rief ich, als sie beim meinem Anblick Reißaus nahm, so warten Sie doch, Mariam … « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Droge Faust Internet
April 11th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- Aber nein! Er hat ausschließlich unpolitische Songs gespielt.
- Okay, aber BEYOND HERE LIES NOTHING in Vietnam? In Ho-Chi-Minh-Stadt? Ob das so unpolitisch ist? Ich weiß ja nicht!
- BLOWIN’ IN THE WIND, das wär ein Statement gewesen! Aber IT AIN’T ME, BABE? Na!
- Ist dir eigentlich kalt? Ist es zu kalt hier drin?
- Mir? Nein. Wieso?
- Weil du nen Schal trägst.
- Ach so, nee, das … « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Calibans karibische Eloquenz
April 10th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
- Reden wir noch einmal über deinen letzten Roman, okay?
- Er ist nicht besonders geeignet für eine Radiosendung, scheint mir … aber gern, ja.
- Es ist, wenn ich das richtig begriffen habe, ein Buch über das Ende der Literatur, über die Unmöglichkeit, heute, im Zeitalter der hollywoodgerechten Fernsehserien, noch einen Roman zu schreiben. So ein altes, obsoletes Medium zu bedienen? Das stimmt doch?
- Ja.
- Aber muss man darüber einen ROMAN schreiben? KANN man darüber überhaupt einen Roman schreiben? Ich meine, um das Problem mal anders anzugehen. Wie schreibt man, beispielsweise, einen SONG darüber, dass man keine Songs mehr schreiben kann? Ich wähle dieses Beispiel, weil es für unsere Hörer vielleicht greifbarer ist als ein Roman. Ein Roman, das ist immer gleich so groß, das sind Hunderte von Seiten, das kann man nur schwer einschätzen. Bei einem Song ist es nachvollziehbarer. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Hinterrücks
April 9th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Er hat echt in einer Tour über dich gelästert.
Was?
Ja. Ich sagte immer wieder: Hey, mach mal halblang, lass gut sein … aber er hat sich gar nicht mehr eingekriegt. Spooky. Ich glaub, der hat ein massives Problem mit dir.
Das ist ja … ich hätte damit nie …
Das klang übel, das klang nach blankem Hass! Hart. Ich hab wirklich manchmal gedacht: Der hasst den Bernd ja! Der hasst den ja abgrundtief!
Bernd wandte das Gesicht ab.
Und zu mir war er immer scheißfreundlich! « Den Rest dieses Eintrags lesen »