Synchronsprechblasen
Mai 31st, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
„Und? Hast du wieder so eine dreckige Schlampe gebumst?“
Mit einem Stöhnen zerrte er sich das weiße Hemd vom Leib. Sie wollte noch etwas Bissiges sagen, doch sie brachte nur ein: „Mein Gott!“ heraus.
Sein muskulöser Oberkörper war von Striemen und Wunden übersät, und auch über seiner buschigen rechten Braue klaffte ein tiefer roter Schnitt.
„Ich hab ein paar Schlampen platt gemacht, Sweetheart, aber bestimmt keine flach gelegt!“
Sie griff nach seinem Glas, das er auf dem Rand des Marmorwaschbeckens platziert hatte, und nahm einen Schluck von seinem Martini.
„Wenn du’s genau wissen willst: Ich bin vier Stockwerke durch das Treppenhaus eines Museums gekracht, im Würgegriff eines Riesen mit Stahlgebiss; ich bin von einem Kette rauchenden Psychopathen aus Moskau mit einem Teppichklopfer vergewaltigt worden; und am Ende gab’s eine gewaltige Explosion – dort, wo heute früh noch die Docks von Bangkok waren.“ Er grinste wie eine Raubkatze, der man eine Spritze mit Adrenalin verpasst hat. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Sich wappnend gegen ein Meer von Scheiße
Mai 30th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Da war die Stille, die ihn umflutete, und das war schön, unbeschreiblich angenehm, aber dann kamen die Bilder, und diese Bilder waren wirklich nicht auszuhalten. Der Stress, den sie ihm verursachten, riss Bob Macha aus seinem Schlaf. Sein panischer Herzschlag prasselte in seinen Ohren, wie er plötzlich da lag, ruckartig auf dem Rücken, hineingebeamt in diesen strahlend weißen Raum, und er dachte über die Bilder nach. Er konnte an gar nichts anderes denken, obwohl in seiner Nase ein überwältigender, betäubender Scheißegestank lag. Aber die Bilder legten sich über diesen dicken, widerwärtigen Geruchsteppich, wie Projektionen auf einer Felswand, und nahmen sein Gehirn in den Schwitzkasten. Es waren keine Träume. Die Bilder waren wohl aus dem Stoff, aus dem auch unsere Träume sind, aber sie waren zugleich intensiver, stärker, bedrohlicher. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Mirandarbara
Mai 29th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Gefiel mir insgesamt ganz gut, was ich da zu lesen bekam. Es war sicher etwas ungelenk formuliert, aber das konnte man ja beheben. Dafür hatte man seine Leute, zur Not müsste ich halt selbst den Rotstift ansetzen. Was seine Texte ganz unbedingt hatten, war Aplomb. Lars Abendroth schrieb mit Schwung, mit Energie und ostentativer Verve. Auf den flotten Stil bildete er sich gehörig was ein! Bestimmt war er der König der PR-Texte. Ja, dachte ich, das ist mein Mann … Er war vermutlich ein Maulheld, weder besonders gebildet noch übermäßig intelligent. Ich hätte meinen Arsch darauf verwettet, dass er sich für einen großen Schriftsteller im Wartestand hielt, für ein Genie, das nur endlich seine Chance brauchte, um es der Welt zu zeigen … nun, ich würde ihm diese Chance bieten. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Viele Wurmlöcher machen leider noch kein Universum
Mai 29th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Pass auf, ich hab da einen Traum. Der kehrt immer wieder.
Was ist’s?, fragte Eddie. Erzähl!
Des Hero furzte und zog noch einmal an seinem Joint. Dann sagte er:
Ich schleiche durch einen dunklen Korridor. An vielen Türen vorbei. Eine Kavalkade von Türen.
Kavalkade?, fragt Eddie, in dessen Kopf nicht mehr viel los ist. Des Hero schüttelt den Kopf und reicht dem jungen Killer seinen Joint.
Halt saumäßig viele Türen, das nimmt gar kein Ende. Ich latsche also diesen Korridor hinab, bis ich endlich zu einer Tür komme, die nur angelehnt ist. Ich höre Lustgestöhn, das aus dem Zimmer hinter der Tür kommt. Auf dem Bett sehe ich meine Eltern, noch junge Menschen, viel jünger, als ich sie in Erinnerung habe …
Moment mal! Eddie setzte sich auf. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Stöhnte leise auf
Mai 27th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Irgendwann hat man ja auch die Verzweiflung ausgeschöpft. Die Verwunderung ist in Betäubung übergegangen, oder in Trotz. Aber es ist ein stumpfer Trotz. Der Trotz einer Hafenmauer, die 24 Stunden am Tag das Meer in Schach hält. Sehr stoisch. Der Himmel hängt grau über uns. Fette, böse Wolken. Im Internet nur Scheiße, der übliche Matsch. Man will eigentlich nur noch raus, aber da das nicht möglich ist, wartet man halt ab. Es ist sicher etwas hoch gegriffen zu sagen, wir warteten ab. Wir warten einfach. „Abwarten“ klingt zu sehr nach etwas, auf dessen Vorübergehen oder Erscheinen man wartet. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Sie furzt beim Lecken
Mai 26th, 2011 § 2 Kommentare
War das Verzweiflung? Jedenfalls grub er die Finger krampfartig in seine Haare. Wie konnte denn nur immer, immer wieder dieses ganze Perversenvolk auf seinem Blog landen? Weil er einmal, aus Jux, nachgebend einem ihm unbekannten Verlangen, einen Post genannt hatte: „Beim Arschlecken schön furzen“. Und seitdem verging buchstäblich kein Tag, da nicht ein von Flatulenz Besessener sein kleines literarisches Eiland, seinen kulturellen hortus conclusus heimsuchte mit dem Wunsch, etwas über Fürze in für den Leckvorgang geöffnete Münder zu erfahren. Es war ja nicht mal so sehr die Ekelhaftigkeit des Vorgangs, die ihn deprimierte, als die Ekelhaftigkeit solcher Wissbegierde. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Vor dem Naturgesetz
Mai 26th, 2011 § 2 Kommentare
- Aber wie kam er denn nur auf die Idee, er müsse ein Genie vom Kaliber eines Newton oder Pythagoras sein? Einer, der ein ehernes Naturgesetz entdeckt? Wie kam so eine monströse Sehnsucht in seinen Kopf? Eine unwiderlegliche Entdeckung, endgültige Geometrie – etwas, nach dessen Entdeckung nichts mehr so war wie zuvor … ein paar Zeilen in einem Notizbüchlein in dunkelgrünem Kunststoffeinband, zur Hälfte unleserlich, vielfach durchgestrichen oder durch Skizzen verdeckt …
- Keine Ahnung, brummte Bob Macha. Das hat doch alles nichts mit einem Notizbuch zu tun – er war halt verrückt! So sind Verrückte nun mal!
Aber seinem Begleiter schien das zu wenig zu sein. Zu wenig Erklärung, zu wenig Ekstase, zu wenig Enthusiasmus:
- Ein Rebell, rief er, ein Geistesriese, ein Umstürzler wie Luzifer, nur in Anständig … « Den Rest dieses Eintrags lesen »
Bernhard Welz, 33, Fabeldichter
Mai 25th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Zu erklären war es nicht, zu bedauern desto mehr. Hatte Bernhard Welz sich bis zu seinem 32. Lebensjahr mit dem Ersinnen von Aesop’schen Fabeln vor dem Wahnsinn retten können, erstarb, fast pünktlich zu seinem 33. Geburtstag, die innere Stimme. Dass diese eine Art Schutzfunktion ausgeübt hatte, scheint rückblickend sonnenklar. Warum und von wem sie eines Tages abgestellt wurde, bleibt hingegen ein Geheimnis. Fest steht: Eines Morgens wachte Welz auf, und das vertraute, zikadenhafte Zirpen in seinem Schädel war fort. Das Fabulieren endete, der Horror begann. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
ELF
Mai 25th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Der erste Satz war schon mal scheiße. Würde ich mit dem zweiten das Schreibspiel drehen können? Ah, Mist, nee! Rückblickend fand ich den dritten bislang am schwächsten, doch folgte ihm ein übermäßig kritischer, nörgeliger vierter Satz, der meine Laune … Fünfter Satz. Und sechster. Im siebenten kam ich langsam wieder in die Spur, fand zur bekannten Ausgeglichenheit zurück, schwang mich ein in das rhythmische Karma dieses Texts. « Den Rest dieses Eintrags lesen »
69+1
Mai 24th, 2011 § 1 Kommentar
Du kannst mit Mr. Dylan
So ziemlich jede Leere füllen.
Doch ist selbst dein Freund « Den Rest dieses Eintrags lesen »