Einerseits ja, andererseits vielleicht auch nicht
Mai 11th, 2011 § 1 Kommentar
Der Modus der Entzweitheit. Bei Bob begann er schon mit dem zweiten Wort. Das zweite Wort, so Bob, müsse sich vom ersten bereits abstoßen. Müsse in scharfen Gegensatz zum Vorgänger treten. Diesen feindlich anblinzeln, ganz etwas anderes, Fremdes sein. Allein schon, so Bob, um herauszufinden, ob die Nummer 1 es ernst meinte. Darum war die Opposition auf Position zwei nötig. Um immer das Vorhergehende zu testen. Immer, immer, immer. Nur wenn es standhielt, war es wert, Bestand zu haben. Und solch einen Test könne man nun einmal nur aus einer gewissen Distanz durchführen …
Georg hörte fassungslos zu. Was Bob da äußerte, kam ihm vor wie die Bekenntnisse eines Schizoiden. Ohne jetzt im Einzelnen genau zu wissen, was ein Schizoider war, dachte Georg, klang das doch arg gespalten, widersprüchlich, zerrissen. Innerlich zweigeteilt.
Georg verlieh seinen Bedenken Ausdruck, sobald Bob mit seinem leicht irren Wortschwall an ein natürliches Ende gekommen war. Dass es sich bei Bobs Auslassungen seines Erachtens weniger um einen philosophischen Ansatz handele, sagte er, als um ein pathologisches Phänomen. Und ob Bob nicht vielleicht schon einmal daran gedacht habe, die Dienste eines Psychologen in Anspruch zu nehmen?
Bob sah auf. Seine Augen funkelten zornig.
Lass mich bloß in Ruhe!, zischte er.
Noch besser wäre vielleicht ein Psychotherapeut?