Prometheus GEMAßregelt
Mai 12th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Die Rechnung ohne den Wirt machen – das ist bekanntlich der Fehler Nummer 1!
Und bekanntlich heißt in der Welt der Popkultur der Wirt „GEMA“. Hinter diesen vier Buchstaben versteckt sich eine ganze Verwertungsgesellschaft. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, genau gesagt (und also eigentlich ja wohl GEMAMEV).
Als Robert Mattheis, begeisterter Handpuppenspieler des Blogozentrikers (u. a. gehören Bob Macha, Doc Spielvogel und Georg Taugenichts zu seinen personae dramatis sed non gratae), seinen Roman HOHLKÖRPER schrieb, schrieb er eine Abrechnung. Aber nicht etwa mit dem Medienbetrieb, wie irgendwelche verlagseigenen Klappentexter witterten. Sondern ohne den Wirt.
Jetzt kam das böse Erwachen. Immerhin wird in dem Roman aus Bob Dylans Album TOGETHER THROUGH LIFE zitiert, nämlich der Song „I Feel A Change Comin’ On“. Eine junge Frau trällert in einer Bar während eines Rendezvous’ ein paar Lines daraus. Und Blur hat auch einen weizenbierseligen Kurzauftritt mit einem Song vom Album THINK TANK, als Hintergrundmusik in einer Kneipe gespielt.
Natürlich hatte der Verfasser, ohnehin in den Wegen der Welt nicht recht bewandert, keinen Gedanken darauf verschwendet, sich die Nutzungsrechte an dem populären Liedgut zu sichern bzw. den Gebrauch der Songs bei der GEMA anzuzeigen. Er schrieb das einfach so auf, weil er es für lustig/bedeutsam hielt. „Mir war nicht klar“, sagt Mattheis heute, dabei seine typische Unschuldsmiene aufsetzend, „dass das Zitieren von Lyrics gleichfalls GEMA-pflichtig ist!“
Insgesamt, teilte die GEMA jetzt über die Homepage der deutschen Band Wir sind Helden mit, sei ein Schaden „von mehreren Hunderttausend Euro“ entstanden. O-Ton der Verwertungsgesellschaft: „Es ist eine Schande, einen Künstler, der in wenigen Wochen seinen 70. Geburtstag feiert, um sein sauer verdientes Geld zu bringen. Der alte Knabe tingelt immerhin seit Jahrzehnten mit seinem Kram durch die ganze Welt, und das, obwohl er kaum mehr eine Stimme hat!“
Der Verlag war für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen.