Hetegorener (sic!) Eindruck
Mai 13th, 2011 § 2 Kommentare
Einer der Top-100-Rezensenten von amazon.de hat sich das „Notizbuch eines Schriftstellers“ von W. Somerset Maugham vorgenommen. Man hat den Eindruck, dass auch ein Spitzenkritiker nach Zeichen bezahlt wird und deshalb auch schon mal mit Schablonen arbeitet: „Einer Notiz folgt eine ganz andere, mit einem völlig verschiedenem (sic!) Thema.“
Aber der Reihe nach. Zuerst referiert „zueribueb“ das Vorgehen des Autors: Maugham habe eines Tages aus seinen lebenslang geführten Notizbüchern eine Auswahl getroffen, und das habe „sehr hetegorene (sic!) Notizen“, ergeben, „weshalb dem Buch der rote Faden abgeht“ – nun, die Texte sind immerhin chronologisch angeordnet. Dafür wird es vermutlich einen Grund geben, doch ein solcher interessiert den Rezensenten nicht, der ärgert sich bloß, dass „das Buch nur schwer lesbar ist.“ Klar, wenn man’s von vorn bis hinten durchschmökern will, wie den letzten Dan Brown, dann entsteht Irritation: „Unter den Mosaikteilchen sind sicher ein paar kleine Juwelen zu finden, aber insgesamt ist das Buch eher langweilig, nur für Fans oder Anglistikstudenten von Interesse.“ Ich persönlich finde zwar, dass „ein paar kleine Juwelen“ in einem Buch keine schlechte Ausbeute sind, aber: „Die Notizen bis 1914 kann man getrost vergessen, viel Pseudo-Philosophie.“ Damit kann man vielleicht einen Anglistikstudenten abspeisen, aber doch keinen Top-100-Rezensenten, der weiß, was wirklich wichtig ist: „Interessant ist das Jahr 1916, wo er (Maugham) relativ ausführlich über Hawaii und die Südsee schreibt.“
Sie müssen zugeben, nach dieser Passage kann man schon den Eindruck gewinnen, dass mit unserer Edelfeder etwas nicht stimmt! Das geht schon arg durcheinander … Vielleicht ist aber auch wirklich der Autor des „Notizbuches“ ein Idiot: „1917 war Maugham als Geheimagent in Russland. Er beschreibt allerdings nur wenig die dortigen Verhältnisse, sonder (sic!) schreibt lieber über russische Literatur.“ Ja, klarer Fall, Maugham ist der Idiot! Immerhin: „Interessant ist auch das Jahr 1938, wo er über Indien schreibt.“
Um es mal klipp und klar zu sagen: Bei strenger Redaktion dampft diese ganze Top-100-Rezension auf einen einzigen Satz zusammen: „Das Buch erhält (sic!) insbesondere viele kleine Miniaturen, worin er Personen beschreibt, die er in der ganzen Welt getroffen hat.“ Das ist zwar erbärmliches, hingeschlamptes Deutsch, zudem ohne sinnvollen Aussagewert, aber wenigstens ist es kein totaler Stuss.
Lieber Herr B.,
Ihre Kritik wird – so gut kenne ich Sie – wohl zutreffend sein, vielleicht wollen Sie aber trotzdem, der Fairness halber, den Top-100 Text in voller Länge verlinken. Wir danken Ihnen im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr mete
PS: Falls Sie einmal mit dem Blogozentriker Schiffbruch erleiden sollten, worauf wir natürlich in keinster Weise hoffen, dann können Sie bei uns jederzeit als E-Moderator beginnen.
Lieber mete,
eben das werde ich, als kleine Reverenz an das Medium Tageszeitung, das mit dem Tod des großen Filmkritikers und Schreibers Michael Althen jetzt seinem Untergang wieder einen Schritt näher gekommen ist, nicht tun.
Zumal sich, mit etwas gutem Willen, eine von drei Rezensionen eines Buches, dessen Autor und Titel genannt sind, bei amazon.de, das mehrfach erwähnt wird, finden lassen sollte.
Hut ab,
Ihr
Doc dent. Blogo