Bernhard Welz, 33, Fabeldichter

Mai 25th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Zu erklären war es nicht, zu bedauern desto mehr. Hatte Bernhard Welz sich bis zu seinem 32. Lebensjahr mit dem Ersinnen von Aesop’schen Fabeln vor dem Wahnsinn retten können, erstarb, fast pünktlich zu seinem 33. Geburtstag, die innere Stimme. Dass diese eine Art Schutzfunktion ausgeübt hatte, scheint rückblickend sonnenklar. Warum und von wem sie eines Tages abgestellt wurde, bleibt hingegen ein Geheimnis. Fest steht: Eines Morgens wachte Welz auf, und das vertraute, zikadenhafte Zirpen in seinem Schädel war fort. Das Fabulieren endete, der Horror begann. Das weiße Blatt, das Welz an jedem Abend mit einer kleinen launigen Geschichte voller Tierreichbezüge gefüllt hatte, oft nur wenige, aber konzise Zeilen, blieb von nun an leer. Mit, kann man sagen, schrecklicher Regelmäßigkeit. Das Reale machte mit furchtbarer Gewalt seine Ansprüche an den Welz’schen Geist geltend, in Gestalt gängiger Einfallslosigkeit. Der verwirrte, noch immer junge Mann machte sich auf zu einer Reise nach Afrika. Von außen ohne Zweifel eine Flucht, fühlte es sich aus der Innenperspektive ganz anders an. Welz wollte helfen. Das war sein fester Wille. Obwohl in keiner Weise dafür prädestiniert, weder medizinisch noch juristisch noch in militärischer oder logistischer Hinsicht irgend geschult, glaubte er fest daran, er könne eine Art Messias für diesen von Bürgerkriegen, AIDS und Hungersnöten verwüsteten Erdteil sein. Seine Spuren verlieren sich fast sofort nach der Landung in der Demokratischen Republik Kongo.

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