Stöhnte leise auf
Mai 27th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Irgendwann hat man ja auch die Verzweiflung ausgeschöpft. Die Verwunderung ist in Betäubung übergegangen, oder in Trotz. Aber es ist ein stumpfer Trotz. Der Trotz einer Hafenmauer, die 24 Stunden am Tag das Meer in Schach hält. Sehr stoisch. Der Himmel hängt grau über uns. Fette, böse Wolken. Im Internet nur Scheiße, der übliche Matsch. Man will eigentlich nur noch raus, aber da das nicht möglich ist, wartet man halt ab. Es ist sicher etwas hoch gegriffen zu sagen, wir warteten ab. Wir warten einfach. „Abwarten“ klingt zu sehr nach etwas, auf dessen Vorübergehen oder Erscheinen man wartet. Wie in dem Satz: „Warte mal ab!“ Dahinter steht ja die Gewissheit: „Etwas wird kommen, wirst sehen.“ Aber hier wartet man nicht mehr auf irgendetwas. Wie man ja auch im Knast nicht auf etwas Bestimmtes wartet. Vielleicht aufs Abendessen. Wind rauscht im Baum, den ich durchs Fenster sehen kann. Das Warten ist zu einer existentiellen Haltung geworden. Man wartet um des Wartens willen, einfach, weil es nichts anderes gibt, das man tun könnte. Man ist in einer Endlosschleife von Sinn-, Ereignis- und Nutzlosigkeit gefangen. Keine Absurdität, das klingt zu sehr nach Clowns, die auf die Nase fallen. Es regiert einfach wirklich das blanke Nichts. Nach dem blanken Entsetzen das blanke Nichts. Reiner Schwachsinn, dessen Reinheit einen eventuell sogar erschüttern könnte. Einer muss diesen Dreck machen. Und dieser eine bin ich. In einem der Nebenkäfige schaut einer aus dem Fenster und sagt: „Jetzt regnet die Scheiße auch noch!“