Mirandarbara

Mai 29th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Gefiel mir insgesamt ganz gut, was ich da zu lesen bekam. Es war sicher etwas ungelenk formuliert, aber das konnte man ja beheben. Dafür hatte man seine Leute, zur Not müsste ich halt selbst den Rotstift ansetzen. Was seine Texte ganz unbedingt hatten, war Aplomb. Lars Abendroth schrieb mit Schwung, mit Energie und ostentativer Verve. Auf den flotten Stil bildete er sich gehörig was ein! Bestimmt war er der König der PR-Texte. Ja, dachte ich, das ist mein Mann … Er war vermutlich ein Maulheld, weder besonders gebildet noch übermäßig intelligent. Ich hätte meinen Arsch darauf verwettet, dass er sich für einen großen Schriftsteller im Wartestand hielt, für ein Genie, das nur endlich seine Chance brauchte, um es der Welt zu zeigen … nun, ich würde ihm diese Chance bieten. Seine Texte lesend, sah ich ihn in einem stylishen Café auf der Kastanienallee in Berlin sitzen, mit orange gestrichenen Wänden, einer Sonnenbrille im Haar und einem Latte macchiato auf dem Tisch. Oder im “Café Puck” auf der Münchner Türkenstraße, mit einem Bier, einem Dreitagebart und einer aufgeschlitzten Jeans. Oder in einem x-beliebigen Laden auf der Schanze in Hamburg. An einem dieser Orte, wo die Menschen sich drängeln, um sich voneinander unterscheiden zu können. Wie er da auf seinen Laptop eintippte, hielt er sich für unwiderstehlich, für ein Naturereignis. Um die Wahrheit zu sagen, überzeugten mich vor allem die Fotos von seiner Freundin, die er auf seinem Blog veröffentlicht hatte. Barbara. Die Bilder waren offenbar auf Teneriffa entstanden, in der Abendsonne, mit einer 1-Liter-Bierflasche auf dem Tisch. Im Hintergrund gähnte schattenvoll eine Schlucht, und sie lächelte. Ganz reizend. Ein sexy Ding mit blonden, langen Haaren – genau das, was ich brauchte. Verrucht, auf eine angenehm entwickelte Art primitiv, eine echte Frau. Mit schmaler Nase und breitem Mund, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ich war sofort verliebt. Sie passte perfekt in meinen Plan. Sie war die Art von Frau, um die ein Lars Abendroth nie und nimmer kämpfen würde. Im Traum nicht. Denn der einzige Mensch, für den Lars Abendroth sich interessierte, war unverkennbar er selbst. Ich führte mit meinem rechten Zeigefinger den linksgekippten Pfeil auf die E-Mail-Adresse: ich@larsabendroth.de. Mein Blick hob sich kurz, und aus der nachtdunklen Fensterscheibe grinste ich mir selbst entgegen. Was für ein Typ! Plötzlich spürte ich, wie etwas in mir sich öffnete, gleich dem Kelch einer bösen Blume. Das musste die Hoffnung sein!

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