Heutigentags

Mai 7th, 2011 § 8 Kommentare

Immer dieses
die Welt passt exakt in 15 Zeilen
wie nennt man das denn?
Wenn man hinaustritt
und wie Pfefferspray, eigentlich
trifft einen die Unerträglichkeit der Leute?
Dieses Insichsein
jeder Einzelne ein hermetisch gesicherter Albtraum « Den Rest dieses Eintrags lesen »

08:52 Uhr

Mai 6th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

- Mark?
- Ja? Hallo? Wer …
- Haben Sie das gelesen, Mark? In diesem Magazin?
- Wer ist denn … sind Sie das, Bernward?
- In dieser Frauenzeitschrift, „Belle Marie“?
Mark Deeh blieb stehen, in der einen Hand sein angebissenes Frühstückssandwich, in der anderen das Mobiltelefon. Leute hasteten über die Ampel. Wo die wohl alle hin wollten? Die Verwandlung jagte ihnen einen Schrecken ein, und der Schrecken jagte sie voran. Die Verwandlung in dienstbare Bürogeister.
- Wo stecken Sie, Bernward? « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Django würfelt nicht

Mai 5th, 2011 § 1 Kommentar

Unser alter, launischer Weggefährte metepsilonema ist der Ansicht, aus „der Beziehung zum Leser“ ergebe sich für den Autor „nicht Existenz, sondern Anerkennung, Affiliation, Zuneigung“. Herzig! Mag sein, das war der Ansatz der Moderne. Es stimmt ja: Wenn der Autor eh der Textgott ist, dann braucht er von der Akklamation der Lesegläubigen seine Existenz nicht abhängig zu machen – im schlimmsten Fall sagt er zu ihnen einfach: „Euch gibt’s doch gar nicht!“, und damit ist die Sache vom Tisch. Hinter jedem Satz eines Moderne-Autors stand ein „QED“.
In der Postmoderne wurde aus dem „QED“ allerdings ein „FAQ“. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Dornmöschen

Mai 5th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Für’n Hansi. Der möge es seinem Söhnchen erklären.

Zu beschreiben, was in ihrem Kopf vor sich ging, war gar nicht möglich. Es war die totale Schamhaftigkeit. Ihre Phantasie unterlag zaristischer Zensur. Nur so waren ihre Leistungen im Hochsprung erklärlich. Dabei hasste sie Hochsprung. Sie hasste auch ihre Prüderie. Und sie hasste ihre Mutter. Doch alles drei war in ihrem Leben unvermeidlich, mehr noch, bildete den Kern ihrer Persönlichkeit. Ihr perfekter Absprung, das heuchlerische Lächeln ihrer Mutter und Sexlosigkeit. Es war, als hätte sie ihr blondes Haupthaar und das makellos naive Lächeln als Programm genommen, welches der Geist sklavisch umzusetzen hatte. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Unerwarteter Vorschlag der Lektorin

Mai 4th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

- Ja, und das ist ja auch gut! Das ist ja wunderbar. Mir kam nur die Idee …
- Sie finden den Roman also nicht so gut, wenn ich Sie richtig verstehe, zwischen den Zeilen?
- Nein, doch, der ist schon gut! Gar keine Frage, der ist gut, auf seine Art. Aber ich fragte mich bei der Lektüre doch …
- Moment! „Auf seine Art“? Wie meinen Sie das?
- Na ja, ich meine nur, Ihr Roman ist ja schon speziell …
- Genau, ja. Das ist er allerdings! Bob Macha rutschte vor, auf die Kante seines Stuhls. Ich fordere mit ihm die Postmoderne in ihrer Seinsvergessenheit in die Schranken, sagte er, und seine Augen leuchteten auf. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Editor’s Note

Mai 4th, 2011 § 4 Kommentare

Wenn ich ganz ehrlich sein darf, lieber Leser, dann hasse ich Sie. Der Grund ist: Ich bin von Ihnen abhängig. Sie erschaffen mich mit ihrer zerstreuten, widerwilligen, nachgerade lächerlichen Aufmerksamkeit. Ohne Sie bin ich nichts. Wären da nicht Ihre Augen, die meinen Stuss hier lesen – ich existierte überhaupt nicht. Oder existierte doch nur wie der Eintrag in einem Tagebuch, das auf einem längst vergessenen Dachboden vor sich hin schimmelt … Ja, Sie sind mein Blut, mein Lebensatem, mein Herzschlag, und dabei kenne ich Sie nicht einmal! Vielleicht sind Sie mir als Mensch ganz unsympathisch. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Selbstmord? Selbstmord, Selbstmord …

Mai 3rd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Bob, auf dem Sofa ausgestreckt, seinen Spazierstock mit silberner Krücke zwischen den rötlich braunen Schuhen von links nach rechts und wieder zurück drehend, flötete dieses Wort vor sich hin, „Selbstmord“.
Er trug einen eleganten Anzug, seinen letzten, und hatte seinen Hut auf die Stehlampe neben dem Arbeitstisch gehängt. Seine Krawatte hatte er gelockert.
Bob setzte alles auf eine Karte, seit Mittwoch.
Ich weiß nicht, ob es fair ist, den Selbstmord als ultimativen Maßstab für Verzweiflung und Leid zu nehmen, sagte er schließlich. Er setzte sich halb auf. Ich hab da vor ein paar Tagen eine Frau gesehen. Eine Frau von, vielleicht, fünfzig Jahren. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Post vom Macha

Mai 3rd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Amerikaner,

diese Bilder kennen wir alle. Ein fanatischer Mob schwenkt US-amerikanische Flaggen, brüllt besinnungslos in die Kameras. Fäuste werden gereckt. Augen sprühen Hass. Dann gehen die Flaggen in Flammen auf, die wütende Meute trampelt auf den verkohlten Fetzen herum und schreit: „KILL ALL AMERICANS“ … doch nein! Dieses Mal wart ihr es ja selbst, die da jubelten!

Ihr bejubeltet den Tod von Osama bin Laden, der, wie mein Kollege Franz-Josef Wagner von der BILD so schön sagte, „das Leben der Amerikaner zerstört“ hat, „ihre Sicherheit, ihr Selbstgefühl“. Ja, macht man denn so was!? « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Kinky Unfriedmann

Mai 2nd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

- Komm, Bob, du …
- Nein. Lass mich einfach hier zurück. Geh du weiter.
- Ich werde doch nicht ohne dich …
- Doch, das wirst du! Meine Zeit ist um, Georg. Ich war ein Clown, immer schon, mein Bruder hatte ja Recht. In der letzten Stunde muss sogar eine Pappnase wie ich die Größe haben, das einzugestehen. Und jetzt, mein Freund, lass uns das Glas erheben auf den Tod eines Clowns, der in der Waterloo Station sitzt und sich …
- Bob, steh auf.
- … in die Hose gepieselt hat. Sie kommen, oder? « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Terror, Chef!

Mai 2nd, 2011 § 6 Kommentare

Es ist dunkel. Verdammt dunkel. Bob Macha sieht die Hand vor Augen nicht. Dafür hört er seinen eigenen Atem, der etwas zu schnell geht. Auch die Handflächen – feucht. Wie kommt er hierher? Bob spürt, dass er nicht allein ist, dass da noch jemand ist … eine beunruhigende Präsenz.
Dann flasht ein Licht auf, raubt unserem tapferen Helden die Sicht. Bob legt eine Hand schützend vor die Augen. Wartet ein paar Augenblicke. Blinzelt dann.
Ein in weißem Licht kalt gleißender Stahlverschlag. Bob hockt auf dem Boden, auf den Knien, nach vorn gebeugt. Er trägt nur einen grob gestrickten roten Overall. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wo bin ich?

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