Wein, wenn du kannst!

Juni 30th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Nun schleppte Phorkyas sich keineswegs ungebeutelt aus dem „Da Capo“, dem Lieblingsitaliener von Bob Macha. Grund war vor allem des Letzteren recht kurzfristige Entscheidung, auf den sauren Verzicht einstweilen noch zu verzichten, um in die wirklich postalkoholische Phase seines Lebens erst ein paar Stunden später (es sollten Monate werden) einzutreten. Sie hatten also Weinflaschen gekillt, Bob und Phorkyas, erst eine, dann zwei, dann drei, dann vier, dann war das Bereich der höheren Mathematik erreicht gewesen, und Bob Macha hatte ganz ernsthaft gemeint, gern könne man bei ihm in der Bude noch weiterzechen, als Felipe, der Chef des „Da Capo“, mit italienischer Inbrunst irgendwann gegen drei um Schonung und Heimgang bat. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wein doch!

Juni 30th, 2011 § 10 Kommentare

Ich hab Ihnen einen Wein mitgebracht, Herr Macha. Oder darf ich Bob sagen? Schauen Sie, einen spanischen, einen roten. Einen ganz exzellenten Tropfen. War nicht ganz billig. Der junge Mann mit der Weinflasche setzte sich. Ich darf doch Bob sagen?
Verdammt. Bob Macha verzog unwirsch das Gesicht. Was wollen Sie?
Ich dachte, wir trinken mal einen zusammen und reden über alles?
Phorkyas stieß Bob Macha gegen das Knie. Eine Geste, die wohl kumpelhaft wirken sollte, aber nur bewirkte, dass Macha sich noch mehr versteifte. Er brummte: Über alles? Wir? Kennen wir uns? « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Fahrrad geklaut

Juni 29th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Alexander der Große hatte ein Lieblingspferd. Bukephalos. Mit diesem Streitross warf er sich den Persern entgegen bei Issos, Tyros und Gaugamela, in aussichtslosen Situationen, die nur durch Waghalsigkeit zum Guten gewendet wurden. Diesen Streich wiederholte er viele Male, bis er ein Reich erobert hatte. Sein Herz hing an dem Vierbeiner; das wird man leicht nachvollziehen können. Vielleicht kann man es umso leichter, wenn man sich vor Augen hält, dass Gerüchte, Alexander sei an der Ermordung seines Vaters, Philipps II., beteiligt gewesen, bis heute nicht verstummt sind. Bukephalos war mithin das einzige Wesen in Alexanders Nähe, auf dessen Loyalität er felsenfest bauen konnte. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Schnitt vs. Spaziergang

Juni 28th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Methode der aktuellen Kunst, überhaupt der Aufmerksamkeitsarbeit (das ist ja längst nicht mehr nur Kunst, sondern auch Berichterstattung, Werbung … man muss wohl sagen: das Mediengewerbe), ist der Schnitt. Wie im Film, die Montage. Diese Art von Schnitt. Aber auf das vulgärste Prinzip heruntergebrochen, aufs krasse Gegeneinanderstellen von Unvereinbarem. These, Antithese, Nichts. Angewandt auf das Globalding Realität. Er: eben noch Held, dann Cut, jetzt gefallener Engel. Strauss-Kahn. Gestern war er noch der König der Finanzwelt, dann treibt man ihn als Sau durchs Dorf, dann ist er vergessen. Das Prinzip gilt überall. Überbietung, Ausradierung. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Zitat

Juni 28th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

„Zwei TV-Programme müssen schon aus der Produktionslogik heraus ‘blöder’ sein als eines (betrachtet man Blödheit in diesem Fall als das Verhältnis von Wenig-Bedeutung und Viel-Effekt), vier TV-Programme müssen blöder sein als zwei, acht blöder sein als vier usw.“

Georg Seeßlen/Markus Metz, Blödmaschinen, Berlin 2011

Szenograph

Juni 28th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Es ist sicher toll, wenn man wichtig ist.
Paul Valéry sah auf. Er runzelte die Stirn.
Wie meinen, murrte er.
Ich meine nur. Bob Macha grinste. Ich meine, Sie sind ein Geist, von dessen Hervorbringungen sich ganze Generationen nähren werden. Ihre Cahiers, die sind ja jetzt schon legendär, obwohl sie noch gar nicht veröffentlicht sind!
Hören Sie. Paul Valéry legte Messer und Gabel ordnungsgemäß seitlich an seinem Teller ab. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Ausgerechnet Adorno!

Juni 27th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Verrat – damit musste man immer rechnen in dieser Branche. Aber von Adorno verraten zu werden? Von diesem runden, freundlichen Teddybärengesicht? Prustend tauchte Johnny Kröger an der Wasseroberfläche der Elbe auf, und sofort schossen rings um seinen Kopf langstielige Wasserfontänen in die Höhe. Auf den Docks des Hamburger Hafens standen Teddys Männer, Pulvergewölk vor ihren halbautomatischen Waffen, und nahmen ihn ins Visier. In der Luft das trockene arhythmische Knallen des Todes. Horkheimer, wie immer im wehenden Trenchcoat, hielt sich im Hintergrund, schaute nur streng durch seine dicke Brille, seitwärts stapfend. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Johnny Kröger II

Juni 26th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wie ein Zombie lief er durch die Welt nach seinem Herausschmiss. Nahm, aus alter Gewohnheit, die NEGATIVE DIALEKTIK in die Hand. Las ein paar Zeilen darin, oder sagen wir: schickte seine Augen diese paar Zeilen entlang. Verstand kein Wort. Adorno. Er fragte sich, warum er so etwas überhaupt je angeschafft hatte. Ging in den Keller, fand sich dann unten, vor dem Regal, mit der großen Frage in seinem leeren Kopf: Was wollte ich hier noch mal? Weder verzweifelt noch stolz. Irgendwie dumpf. Einer, den man aus dem Ressort gejagt hatte, weil ein Jüngerer, Federfertigerer aufgetaucht war. Einer, der sich mit dem Leiter des Feuilletons einfach besser gestellt hatte. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Johnny Kröger

Juni 26th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Alle hatten den Kampf aufgegeben. Zum Teil, weil man ihnen den Kopf abgerissen oder mit Macheten den Bauch aufgeschlitzt hatte. War klar, dass dann nicht mehr viel ging. Aus seiner Halsschlagader spritzte das Blut, auch er hatte den Tod vor Augen. Und eine Batterie von Büchsen. Inhalt: Bohnen. Nicht einmal Campbell’s Soup, dachte er. Das wäre doch wenigstens noch ein bisschen Glanz gewesen, popkulturelle Glasur. Ein Warhol-Zitat. Aber Bohnen? Offenbar waren diese Zombies süchtig nach Bohnen. Warum sonst ein ganzer Keller voll davon? « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wer streicht, der bleibt

Juni 25th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Bob, so bist du doch gar nicht, wie du dich auf den Seiten des Blogozentrikers darstellst!
Georg stand in der Tür meines Arbeitszimmers, seine Fäustchen in die schmalen Hüften gestemmt. Und würdest du, sagte er, bitte mit dem Fiedeln aufhören?
Ich legte die Geige vorsichtig auf die Chaiselongue; den Bogen platzierte ich daneben, als handelte es sich um einen paläontologischen Schmetterlingsflügel, den mir ein geliebter Onkel kurz vor seinem Ableben anvertraut hatte.
Ja, was gibt’s denn?, fragte ich, noch ganz entrückt von Bartóks Violinkonzert No. 2. Ein schmerzliches Lächeln spannte in meinen Mundwinkeln. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wo bin ich?

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