Die Grusel-Nacht der Blut-Cancan tanzenden Horror-Nonnen

Juni 7th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Menschen verletzt, die mir am meisten bedeuten und die mir vertraut haben. Und das tut mir unsäglich leid, ich war ein Narr …
Bertram hievte sich auf seinen Barhocker. Er justierte noch einmal die Testikel in seiner Shorts, dann passte soweit alles. Bereit fürs nächste Bierchen.
Was murmelst du da, mein Junge?
Ach, hab nur grad gelesen, was dieser Abgeordnete aus Amerika, der Nacktfotos von sich übers Internet verschickt hat, bei seiner Pressekonferenz unter Tränen herausgequetscht hat aus seiner dürren Seele. Robert faltete die Zeitung zweimal zusammen und warf sie auf den leeren Nebenplatz. So ein Idiot! Und dann so einen Stuss vom Stapel zu lassen …
Bertram wischte sich über die Partie unterhalb seines mächtigen Zinkens, um den Bierschaum zu entfernen. Seine unsteten Augen scannten das Lokal. Er war wirklich ne finstere Type, das muss man mal sagen. In seinen Augen balgten permanent tückische Schläue und unfassbare Blödheit. Er schob das Kinn vor, als er sich Robert zuwandte.
Sag mal, sagte er, machst du’s denn nun? Heute Nacht?
Von dem Baum am Grab der heiligen Rosalie einen Zweig abbrechen? Robert äugte skeptisch zu dem alten, muffelnden Kumpan hinüber, von dem er ja im Grunde genommen rein gar nichts wusste, außer dass er überall auftauchte, wo er, Robert, mal wieder in die Scheiße tappte. Und dass auch ganze Literapplikationen von Deo den gruftigen Geruch nicht zu verscheuchen vermochten, der Bertram umwaberte. Weiß ja nich, sagte er und kratzte sich unter dem offenen Hemdknopf am Hals. Is schon n ziemlicher Hokuspokus, was?
Bertram zuckte die Achseln.
Na ja. Soll aber wirken.
Er nahm den letzten Schluck von seinem Bier. In dem breiten, altersfleckigen Spiegel, der gegenüber der Bar hing, ließ er dabei Robert nicht aus den Augen. Auch nicht, als er das leere Glas mit Schwung abstellte. Er gab dem Wirt ein Zeichen, mal die Luft aus seinem Halbliterglas zu lassen.
Noch n Bier?
Na, Wein bestimmt nich.
Frag ja bloß.
Kann auch klügere Fragen stellen.
Der Wirt warf Bertram einen Blick zu, der darauf schließen ließ, dass dieser Gast noch keinen Stammplatz in seinem Herzen erobert hatte – und sich noch schwer ins Zeug legen musste, wollte er das bis zum Ende des Jahres noch schaffen. Wirklich gab es außer Robert kaum jemanden, dem es in Bertrams Gegenwart nicht mulmig wurde. Was nicht nur mit dessen anmaßender, schroff-verletzender Art zusammenhing …
Das Pech klebt mir an den Hacken wie Hundescheiße, sagte Robert und sog frustriert Gerstensaft zwischen seine Zähne. Ich kapier nicht, was überhaupt passiert ist … Früher hatte ich immer Glück. Ich konnte mich vor Glück gar nicht retten! Und jetzt? Ein Fehlschlag jagt den nächsten … ach, Isabella! Was hätten wir für ein Prachtpärchen abgegeben …
Er stützte seine Wange in die hohle Hand.
Bertram legte seinem Schützling den Arm um die Schulter.
Pass auf, Kleiner. Wir machen uns nachher gemeinsam auf den Weg zu diesem Friedhof, und wenn du alles so machst, wie ich’s dir sage, dann gehört Isabella in wenigen Stunden dir. Und nicht nur das Mädel! Sondern alles, was du willst! Wär doch gelacht!
Du legst mir die Welt zu Füßen?
Robert grinste. Der Wirt stellte Bertram mit verschlossener Miene ein frisch gezapftes Bier hin. Bertram griff danach und grinste jetzt ebenfalls: Kann man schon so sagen, ja.

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