Schnitt vs. Spaziergang
Juni 28th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Die Methode der aktuellen Kunst, überhaupt der Aufmerksamkeitsarbeit (das ist ja längst nicht mehr nur Kunst, sondern auch Berichterstattung, Werbung … man muss wohl sagen: das Mediengewerbe), ist der Schnitt. Wie im Film, die Montage. Diese Art von Schnitt. Aber auf das vulgärste Prinzip heruntergebrochen, aufs krasse Gegeneinanderstellen von Unvereinbarem. These, Antithese, Nichts. Angewandt auf das Globalding Realität. Er: eben noch Held, dann Cut, jetzt gefallener Engel. Strauss-Kahn. Gestern war er noch der König der Finanzwelt, dann treibt man ihn als Sau durchs Dorf, dann ist er vergessen. Das Prinzip gilt überall. Überbietung, Ausradierung. Eliminierung des Bestehenden. Und in die entstehende Leerfläche dann das Grellstmögliche hineinblenden. Nur das Grellstmögliche geht überhaupt, weil die Leerfläche sich ja in Sekundenbruchteilen wieder gefüllt hat. Das Leben wird so zum Film, der aus Nachbildern besteht. Je intensiver die Flashbilder, desto langwieriger die Nachbildarbeit im Hirn, von der Netzhaut gefüttert. Die geistige Landschaft besteht nur noch aus Baulücken. Die sehr viel ergiebigere Methode des Spaziergangs, des Flanierens und systematischen Räsonnierens wird mit dem Rasiermesser der Dauerüberraschung entfernt. Abgeschabt von den Oberflächen. Dass einer sorgfältig den Spuren nachgeht, ist unerwünscht, beinahe dubios. Das ist einfach nicht geil genug. Das lebt vielleicht in einem Untergrund fort, als Spezialität für alte Schnarchsäcke. Aber der mainstream ist nur noch Zack, zack, zack.