Wein doch!
Juni 30th, 2011 § 10 Kommentare
Ich hab Ihnen einen Wein mitgebracht, Herr Macha. Oder darf ich Bob sagen? Schauen Sie, einen spanischen, einen roten. Einen ganz exzellenten Tropfen. War nicht ganz billig. Der junge Mann mit der Weinflasche setzte sich. Ich darf doch Bob sagen?
Verdammt. Bob Macha verzog unwirsch das Gesicht. Was wollen Sie?
Ich dachte, wir trinken mal einen zusammen und reden über alles?
Phorkyas stieß Bob Macha gegen das Knie. Eine Geste, die wohl kumpelhaft wirken sollte, aber nur bewirkte, dass Macha sich noch mehr versteifte. Er brummte: Über alles? Wir? Kennen wir uns?
Klar kennen wir uns! Ich schreib immer diese Hardboiled-Kommentare auf Ihrem Blog!
Mein Blog? Ich hab keinen Blog.
Sie haben keinen Blog? Und was ist dann der Blogozentriker?
Der Blogozentriker ist eine Zeitschrift. Wie kommen Sie denn auf Blog?
Haha! Phorkyas lachte. Aber eine Zeitschrift, die es nicht gibt, richtig?
Bob Macha saß eine Weile nur da und sah den anderen an. Wieso soll’s denn den Blogozentriker nicht geben?, fragte er endlich. Sagen Sie, Junge – sind Sie besoffen?
Um die Wahrheit zu sagen, hatte Bob Macha sich auf einen ruhigen Abend mit sich selbst gefreut. Seit er von der Flasche weg war, zog er die Gesellschaft seiner selbst jeder anderen vor. Heute Abend saß er in seiner Lieblingsecke bei seinem Lieblingsitaliener, eine halb aufgegessene Pizza vor sich auf dem Teller. Er bückte sich seitlich herab und holte ein Exemplar seiner Zeitschrift aus dem Aktenkoffer, den er immer bei sich trug, einem dunkelbraunen, eleganten Lederding.
Halten Sie das für nicht-existent?, fragte er mit schrägem Lächeln, während er Phorkyas die Seiten aufblätterte.
Phorkyas nahm das Magazin in die Hand. Nachdenklich starrte er auf die Titelzeile: DER BLOGOZENTRIKER. FACHBLATT FÜR POSTSYSTEMATISCHES DENKEN.
Ich glaub, sagte er dann, die Zeitschrift mit unendlicher Sorgfalt auf das Tischtuch zurücklegend, ich brauch jetzt einen Schluck …
Eh, da hab ich mich heute schon als pseudointellektueller, wutbürgerlicher, gutmenschelnder Kleinbürger verwursten lassen und dann werd’ ich hier auch noch als Blogeintrag verfrühstückt.
Dass es sich beim Blogozentriker um ein Kollektiv handelt, ist mir irgendwann auch wieder eingefallen, aber ich hab’s mir leider angewöhnt ein Pseudonym als ein digitales Gegenüber zu behandeln.
hardboiled schreib ich bestimmt nich (auch wenn ich den Film sehr mag)… – und ich bin jetzt nur ein bisschen beschämt, dem armen Bob zu sehr auf die Pelle gerückt zu sein, wo der doch nur seine Ruhe haben wollte.. so bin ich eigentlich gar nicht.
Lieber Phorky-Baby,
bitte verzeih, wenn ich hier ein bisschen von der ganz speziellen Art der “Leserbindung” preisgebe, derer sich der blogozentriker in regelmäßigen Abständen (allabendlich) schuldig macht. Es ist einfach unsere Philosophie, jeden, der uns nahe tritt, so zu behandeln, als sei er uns ZU nahe getreten!
Dahinter steht ein ganz simples Prinzip: Wir wollen niemanden ungeschoren davonkommen lassen.
Sei herzlich gegrüßt von
Deinem Bob Macha
PS: Felipe hat die Flasche Rotwein immer noch in Verwahrung, mit der Du ins “Da Capo” gekommen bist. Er ist der Ansicht, Du seist ein “schräger Vogel”.
Im Auftrag Ihrer Majestät
Phorky-Babies Kopf brummte immer noch gehörig. Er musste sich jetzt am Riemen reißen. Seine vom Alkohol überhitzten Gedankenketten hatten schon so an Fahrt verloren hatten, als hätte sich das Band der Kassette verheddert. Iiiiiiööööchh mmuöööösss dooooööch meiööönen – Er war im Auftrag (des) Adornos unterwegs. Doch war sein ohnhin matschiges Hirn durch den Alkoholmissbrauch nicht gerade verschlagener geworden. Wie sollte er, das kleine harmlose Phorky-Baby in die Schaltzentrale der Macht eindringen und die vielköpfige Blogozentriker-Hydra besiegen? Wo selbst ein Herkules dies nicht ohne fremde Hilfe geschafft hätte. Vielleicht war seine Harmlosigkeit Trumpf und einen hässlichen Frauenkopf hatte er ja auch immerhin, aber würde seine untrainierte Leber das mitmachen? Würde er sich nicht durch irgendeine Unvorsichtigkeit verraten?
PS. Wo mein Ruf schon ruiniert is’ – Kann ich ja auch noch eine andere Jonny-Szene posten:
PS. Vielleicht hätte ich heut abend auch erstmal nen Roten killen sollen bevor ich obiges Fragment verfasste.. darn.
Bob Macha sah auf.
Was sagt mete dazu?
Der hat’s noch nicht gelesen, meinte Morris nach einer Pause, während derer sich niemand getraut hatte, etwas zu sagen.
Sie standen alle im Halbkreis um das Kopfende des Mahagonikonferenztisches herum, an dem Bob Macha saß.
Hat er noch nicht.
Nein.
Bob Macha nickte. Dann schnaubte er. Schön, sagte er. Sobald mete sich dazu geäußert hat, denken wir über Konsequenzen nach.
Können wir’s nicht einfach, also. Dana, die immer dafür war, dass die Menschen nett zueinander waren (wer hatte die eigentlich eingestellt?), die blonde, dürre Dana mit den einander immer zugekehrten Fußspitzen meinte also: Können wir’s nicht einfach löschen? Wäre das keine Option? Ist doch nur ein Kommentar …
Wir müssen die Kommentare unserer Leser ernst nehmen, meinte Niels, der Streber. Er trat dabei sogar einen Schritt nach vorn. Sein Gesicht war eine von erbärmlichem Ehrgeiz von innen erleuchtete Maske.
Bob Macha sah von einem zum andern.
Sonst nehmen die Leser uns nämlich auch nicht mehr ernst, meinte Morris, wenn wir sie nicht ernst nehmen. Sie und ihre Äußerungen.
Olaf bemerkte: Es ist immerhin wichtig, dass man zu seinen Fehlern steht. Das ist ja auch unsere Philosophie! Es ist nicht zu viel verlangt, wenn wir das Gleiche auch von unseren Lesern verlangen!
Zustimmung heischend blickte er Bob Macha an.
Doch dem war das alles egal.
Er warf den Ausdruck des Phorkyas-Kommentars auf den Tisch zurück. Mir ist’s wurscht, sagte er. Soll mete entscheiden. Wenn er meint, wir nehmen das raus, dann nehmen wir’s halt raus. Sagt mete, es bleibt drin, lassen wir’s drin. Sagt mete, wir kommentieren das bissig, dann schreibt einer von euch heut Nacht einen bissigen Kommentar. Und dann, schon in der Tür, wandte er sich noch einmal um: Wir machen ja hier keinen verschissenen Blog! Wir machen ein Magazin! Das habt ihr im Auge, oder?
Er ging ab.
Er ging, eine Schar verstörte Blicke wechselnder Mitarbeiter zurücklassend. Alle unterbezahlt, alle jämmerlich qualifiziert, alle glühend vor Eifer für eine Sache, die, wie Bob Macha in seinem Herzen wusste, während er sich einen Schokoriegel aus dem Automaten zog, schon seit Jahren tot war.
Typisch diese Kleinbürger, dachte Bob Macha, kaum werden sie ein bisschen kreativ, da sticht sie die der Hafer und sie werden übermütig. Spion? Der doch nicht, da müssen sich ein paar Gehirnwindungen verhakt haben. Plock, dieser Scheißapparat, der Schokoriegel hatte sich zwischen Schubfach und Glasscheibe verhakt, deshalb wählte er nun das Fach über dem erhofften Riegel, um so beide Gegenstände sicher nach unten zu befördern, mit dem unerwünschten Ergebnis, dass sich nun zweimal Automatennahrung in unerreichbarer Entfernung von dem Zugriffsfach verhakt hatten. Hol’s der Teufel! Ist wohl wieder einer dieser Tage, fluchte er.
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Johnny hatte keinen Verdacht geschöpft, weil Phorky-Baby in seinen nun nur noch mühsam artikulierten, üblichen Dreiwort-Halbsätzten auch gar keinen Anlass dazu hätte geben können. Und nun in der zweifelhaften Illusion seiner Kleinbürger-Coolness verwandelte er sich in Phorky-Bond. Vor ihm der düstere Wolkenkratzer, die Schaltzentrale der Macht. Die ersten Türwächter durchsiebte er in kühler Matrix-Manier und wollte schon die Vorhalle sprengen, als ihm klar wurde, dass er sich in der Hausnummer vertan hatte. Das war doch alles falsch. Adornos mechanische Robotorstimme türmte in seinem Kopf noch sinnlose Satzgetüme, welche ihm einen schmerzhafter Stich durch den Kopf trieben, dass er auf die Knie sank.
Pling. Der Fahrstuhl war angekommen und aus den langsam aufgleitenden Türen schritt das vielköpfige Ungeheuer: der Blogozentriker war da. Phorkyas kniete noch immer.
“Ssssoo isssst’s bravvv..”, zischelte der 4. Kopf von rechts.
(Kagge – Wein nix gut – im ersten Absatz hat sich nun “verhakt” dreimal verhakt – als gäbe es nicht verklemmt, festgesetzt, feststecken, verfangen… irgenswas)
mete schläft. Und wenn mete schläft, dann darf man ihn nicht wecken. Auch wenn es noch so wichtig ist.
Denn wenn er sauer ist, geht die Welt unter.
Ganz. Und sofort.
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/24/Hydra1.gif
http://www.bertsgeschiedenissite.nl/bronstijd/eeuw16/graiai.jpg
http://plpnemweb.ucdavis.edu/nemaplex/images/Zun011.jpg
(Ich glaub’, da schneide ich als Harmlosester ab..
bin daher auch lieber mal ruhig…)
Das letzte Bild lieber Phorky – entzückend!