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Juni 15th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Warum schreibst du denn? Was ist dein Motiv? Etwa die hehre Kunst? Aufklärung und Belehrung? Ein natürlicher Trieb, zu singen? Ha! Ihr Autoren, ihr wollt doch nur geliebt werden! Darum geht’s doch. Und um dieses Ziel zu erreichen, ist euch jedes Mittel recht – zur Not auch das Scheitern!
Das Scheitern? Bob nahm den Zahnstocher aus dem Mund. Wieso denn das Scheitern?
Nun, es erlaubt euch, euch selbst zu lieben – in der Pose des verkannten Genies.
Bob Macha gab einen Ach-so-Schmatzlaut von sich, beugte sich vor und faltete die Hände. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Scham – ist das heute nur noch ein anatomischer Begriff?

Juni 15th, 2011 § 19 Kommentare

Der Begriff „Fremdschämen“ macht Karriere, ist beinahe schon in den Wortschatz eingeschmuggelt worden von unzähligen Kommentatoren und Glossisten. Wirklich überzeugend ist er ja nicht, auch wenn er so nach spitzer Feder klingt. Scham bezieht sich nämlich per definitionem nicht immer nur auf mich selbst: Wer kann sich denn immer nur für sich selber schämen? Natürlich schämt man sich auch mal für jemand anders. Das passiert den Besten. Nicht umsonst heißt es: „Ich schäme mich deiner.“
Noch bizarrer ist, dass manche sich für irgendwelche Regierungssprecher, Schauspieler oder Kanzlerinnen fremdschämen. „Ich schäme mich für dich fremd“ — das ist ein bisschen tautologisch, könnte man argumentieren, als Wortklauber … aber wenn man den diagnostischen Gehalt einer solchen Prägung untersucht, was entdeckt man dann? « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Zu groß, zu dick, zu lange Arme

Juni 13th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ja, so müsste man es wohl machen, sagte der Dramaturg und spuckte in die Asche, in der noch eine schwächliche Glut glomm, tief am Boden der Abgebranntheit, grau und betäubt und schwach, wie die Morgensonne sich am Tag nach der Apokalypse aus dem Nichts erhebt. Der Dramaturg rieb die Hände aneinander, dann strich er sie an den Oberschenkeln seiner Armeehose ab. Als er auf sie hinunter sah, ein zu großer, zu dicker Typ mit zu langen Armen, stellte er fest, dass sie nach wie vor dreckig waren. Der Dreck ging einfach nicht ab, es war zum Verrücktwerden. Er kam sich vor wie Lady Macbeth. Oder vielleicht eher wie Caliban, dem man tüchtig in den Arsch getreten hat, immer und immer wieder, obwohl er nichts anderes tat als gehorsam Feuerholz herbei zu schleppen.
Wahrscheinlich war das ein besserer Vergleich. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Pole Position

Juni 13th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Er trug ein schwarzes Cordjackett, und wie er da seitlich vor dem Portal der Marienkirche stand, mit der rechten Hand an eine Linde gelehnt, und mit der Linken die ausziehbare Leine seines Dackels hielt, den Kopf leicht nach vorn gestreckt, die Stirn mit den düsteren Brauen gesenkt, gegen das schräg fallende Licht der Sonne blinzelnd, wäre kein Mensch auf die Idee gekommen, er könne ein Killer sein, dieser bis auf die Koteletten sorgfältig rasierte Mann. War er auch nicht. Er war ein Journalist, der leichthändig leichte Kost schrieb, hauptsächlich für eine Unternehmensberatung flink zusammengelogene Beiträge über die Unvermeidlichkeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, Fingerzeige für Wege aus den allgegenwärtigen Krisen. Söldnerwerk. Er verachtete, was er tat. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Erfolg, made in Japan

Juni 12th, 2011 § 2 Kommentare

Ein Japaner, Takeshi Yagoda. Er kauft ein Gemälde von Pablo Picasso nur zu einem Zweck: um es aus dem Verkehr zu ziehen. Von Experten lässt er es feierlich vernichten, in einem sicheren Gelass. Eine Feuerbestattung, wenn man so will. Proteste der Öffentlichkeit, weltweit, lassen Yagoda kalt. „Mein ganzes Leben habe ich auf diesen Augenblick hin gelebt. Mein ganzes Leben war nur Vorbereitung und Opfer für diesen Akt der Zerstörung.“ Als Kind sah er das Gemälde in einem Schulbuch. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Actionhero

Juni 9th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich hatte insgesamt 93 Minuten Zeit, um die Welt zu retten. Das war schon Stress, zumal ich ausgerechnet an jenem Tag, einem Dienstag, nicht gut drauf war. Und 90 Minuten, das ist auch nicht die Welt, auch wenn’s um die Welt und ihr eventuelles Ende geht. Ich hatte nicht besonders gut geschlafen, weil meine Frau mich verlassen hatte. Ich meine, ich kann’s ihr nicht verdenken. Seit dem Tod unseres gemeinsamen Sohnes war ich in Depressionen und Alkoholismus versunken. Irgendwann sagte sie: Du, das halt ich nicht mehr aus, Bruce, wie du dich und unseren gemeinsamen Traum zugrunde richtest, ich bin weg. Okay, sagte ich. Ich rief es ihr nach, durchs Treppenhaus, laut genug, dass alle Nachbarn es hören konnten, dass ganz Queens es hören konnte. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wissen, was blöd ist: TEDdys

Juni 8th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wow, yeah, huh! TED wird wieder einmal Vater! Ein weiterer Ableger des legendären kalifornischen High-Potential-Quasselzirkusses erblickt in wenigen Tagen das Licht der Welt. Nach TEDx, TEDMED, TEDGlobal, TEDIndia und vielen anderen wird jetzt eine besonders vielversprechende Franchise-Unternehmung gelauncht: TEDdys, die dysfunktionale Variante der TED-Konferenz, wird zum ersten Mal am nächsten Samstag in Hamburg, Niedersachsen, abgehalten. TEDdys soll laut Presseerklärung „allen Volldödeln der Welt Gelegenheit geben, ihren Senf auf die Kackwurst globaler Wichtigtuerei zu schmieren“. Keynote Speaker Bob Macha, geladen, um über das Thema: „Gescheiterter Schriftsteller – so mach ich’s richtig!“ zu referieren, faselt sich vorab schon mal in Begeisterung. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Er steht auf, senkt das Buch.

Juni 8th, 2011 § 6 Kommentare

Die Kerze ist heruntergebrannt, gelblich weißes Wachs läuft über den flachen zierlichen Teller aufs Holz des quadratischen Tisches. Die Flamme zappelt, schon berührt vom nahenden Ende ihrer fiebrigen Existenz. Das hart gewordene, spröde Wachs wird er morgen mit einem Messer mit schwarzem Plastikgriff abschaben. Seine Augen sind müde und fühlen sich entzündet an vom langen Lesen, aber es nützt nichts, die Inspiration ist jetzt da, jetzt muss er noch etwas schreiben. An Schlaf ist ohnehin nicht zu denken. Etwas über die Kerze will er zu Papier bringen. Wie schön es sein muss, wenn man nur lebt, um Licht zu werden. Licht und Wärme und Traulichkeit. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Die Grusel-Nacht der Blut-Cancan tanzenden Horror-Nonnen

Juni 7th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Menschen verletzt, die mir am meisten bedeuten und die mir vertraut haben. Und das tut mir unsäglich leid, ich war ein Narr …
Bertram hievte sich auf seinen Barhocker. Er justierte noch einmal die Testikel in seiner Shorts, dann passte soweit alles. Bereit fürs nächste Bierchen.
Was murmelst du da, mein Junge?
Ach, hab nur grad gelesen, was dieser Abgeordnete aus Amerika, der Nacktfotos von sich übers Internet verschickt hat, bei seiner Pressekonferenz unter Tränen herausgequetscht hat aus seiner dürren Seele. Robert faltete die Zeitung zweimal zusammen und warf sie auf den leeren Nebenplatz. So ein Idiot! « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Lähmung aus der Lamäng

Juni 7th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

- Na ja, nee. Ich versuchte clever zu sein, aber ich war’s nicht. Ich hab das Talent nicht. Das Erfolgstalent. Es gibt ja ein eigenes Talent, Dinge so zu deichseln, dass sie unweigerlich zu einem Erfolg werden. Ich stolpere aber immer über meine übermäßige und unangemessene emotionale Beteiligung. Lachhaft. Mir fehlt völlig das Strategengehirn, wenigstens in dieser Hinsicht. Okay, in jeder anderen Hinsicht auch … Wenn sich mal eine Chance bietet, trete ich mir selber in den Arsch. « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wo bin ich?

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